Die Evolution ist eine Baustelle. Insofern passte es ganz gut, dass der Erlebnispark Gondwana sich Ende November noch im Bau befand, obwohl er schon am 14. Dezember im saarländischen Landsweiler-Reden seine Pforten öffnen soll. Auf dem Gelände einer alten Kohlegrube ist eine 4500 Quadratmeter große Halle entstanden, in der Besucher die verschiedenen Erdzeitalter mitsamt ihren Ökosystemen hautnah erleben können – das zumindest verspricht Michael Kuhl, der Geschäftsführer von Gondwana.

Im Moment sieht es allerdings in den meisten Räumen noch aus, als sei ein Meteorit eingeschlagen. Auf dem Betonboden der Lagerhalle liegt ein halb verpackter Triceratops zwischen modellierten und echten Baumstümpfen, Kunststoffpflanzen und einer Unmenge von Kisten. Mittendrin sitzt ein älterer Herr im Wollpullover und bindet grüne Plastikfarne mit Draht zusammen.

Einen Raum weiter, in der Eingangshalle, steht immerhin schon die größte Attraktion des Parks: ein acht Meter hoher und 40 Meter langer Skelettnachbau eines Argentinosaurus, zwischen dessen Säulenbeinen die Besucher herumspazieren können. Für den Aufbau des Skeletts hat sich der Geschäftsführer prominente Unterstützung geholt. Der Forscher, der in Patagonien die echten Argentinosaurus-Knochen entdeckt hat, überwachte im Sommer persönlich die Montage.

Der Paläontologe Andreas Braun von der Universität Bonn ist mit der wissenschaftlichen Leitung des Projekts betraut. Sein didaktisches Konzept für Gondwana: In realistisch gestalteten Urzeitwelten sollen Besucher jenseits von staubiger Museumsluft ein Gefühl dafür entwickeln, wie das Leben einst entstand und sich dann gewandelt hat.

Die ersten zehn Milliarden Jahre sind schnell abgehandelt. Ein Film zeigt die Zeitspanne vom Urknall bis zu den ersten Lebensformen. Danach folgen immer abwechselnd ein Raum mit Erklärungen zu einem Zeitalter und dann die nachgestellte Urzeitwelt. An einem Tümpel der Devonzeit können die Besucher zum Beispiel nachvollziehen, wie die ersten Tiere und Pflanzen den Schritt aus dem Meer ans Land machten. Im feuchtwarmen Karbonwald sollen Schulklassen nicht nur robotisch animierte Libellen beobachten, sondern auch begreifen, wie aus den sumpfigen Wäldern die heutigen Steinkohlelager entstanden sind. An ausgewählten Punkten werden geschulte Führer den Besuchern die Prinzipien der Evolution erklären.

"In der Triaswelt haben wir zum Beispiel einen Phytosaurier, der aussieht wie ein Krokodil", sagt Andreas Braun. "Daran kann man gut zeigen, dass die morphologischen Anpassungen an einen Lebensraum auch bei nicht verwandten Tieren zu ähnlichen Körperformen führen können." Wissenschaftlichkeit hin oder her – ganz ohne Action kommt der Erlebnispark dann doch nicht aus.

Der Triceratops, der inzwischen aus der Lagerhalle herbeigeschafft wurde, entpuppt sich in der Oberkreidewelt als beklagenswertes Opfer: Wo vorher Plastikfolie seinen Körper bedeckte, klafft jetzt eine Wunde, aus der die Gedärme deutlich sichtbar hervorquellen. Über ihn beugt sich ein Tyrannosaurus Rex. Um die grausige Szene herum stehen völlig ungerührt japanische Techniker, die gerade den Robotermechanismus im Inneren des Tyrannosaurus testen.