Schmidt (Hamburg) (SPD): Wir sagen dem deutschen Volke in voller, ernster Überzeugung, dass der Entschluss, die beiden Teile unseres Vaterlandes mit atomaren Bomben gegeneinander zu bewaffnen, in der Geschichte einmal als genauso schwerwiegend und verhängnisvoll angesehen werden wird, wie es damals das Ermächtigungsgesetz für Hitler war. (Beifall bei der SPD. – Abg. Dr. Seffrin: Das war der Gipfel der Unlogik!)

Nun werden Sie sagen: Sie können uns Christdemokraten doch nicht unterstellen, dass wir den Atomtod wollen! (Abg. Dr. Jaeger: Sehr richtig!)

Nein, wir unterstellen Ihnen das nicht. (Abg. Dr. Dollinger: Wir sagen’s nur!)

Wir unterstellen beileibe auch nicht dem Herrn Bausch und den anderen, die damals dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt haben, dass sie Auschwitz oder Oradour gewollt hätten oder Stalingrad oder Dresden. Nein, das unterstellen wir nicht. (Zuruf von der CDU/CSU: Das ist aber schön!)

Aber diese Kollegen werden zugeben müssen, dass die Bedenken, die sie damals in sich überwunden haben, als sie jenem Ermächtigungsgesetz zustimmten, zum Teil sehr schwere Bedenken, die sie in sich überwunden haben (Zuruf von der Mitte: Mit wem unterhalten Sie sich eigentlich?), dass sie mit der Überwindung dieser Bedenken und der Zustimmung zu jenem Gesetz einen sehr wesentlichen Schritt, einen verhängnisvollen Schritt auf dem Wege des "Dritten Reichs" mitgemacht haben. (Sehr gut! bei der SPD.)

Auch heute werden wieder bramarbasierende Reden gehalten, auch heute wollen Sie wieder einer höchst bedenklichen Sache zustimmen, sogar unter begeistertem Beifall zustimmen. (Abg. Majonica: Das ist unerhört, Herr Schmidt! – Gegenruf von der SPD: Genau die Wahrheit!)

– Herr Majonica, auch heute ist es nur ein Schritt auf einem Wege, aber auch heute ist es ein wesentlicher und ein verhängnisvoller Schritt. Wenn ich die Reden des Herrn Bundesverteidigungsministers richtig verstanden habe, dann lässt sich Ihre Fraktion dabei von der satanischen Weisheit des klassischen Imperialismus leiten, von dem Satze, der da heißt: Si vis pacem, para bellum. Sie drücken das so aus, dass Sie sagen: Wenn wir den Frieden erhalten wollen, dann müssen wir uns auf den atomaren Krieg vorbereiten, dann müssen wir durch eigene atomare Rüstung(Lebhafter Widerspruch in der Mitte. – Zuruf von der Mitte: Das ist eine ganz üble Verdrehung! – Gegenruf von der SPD: Das stimmt ganz genau!)