Frau Schmidt, kurz vor Kriegsende musste Ihr Mann nach einem kurzen Urlaub noch einmal an die Front. Wann und wie haben Sie sich wiedergesehen?

Loki Schmidt: Tatsächlich ist Helmut 1945 noch einmal zu seiner Einheit an der in Auflösung befindlichen Westfront zurückgekehrt. Bald danach hat er seine Leute in die Heimat geschickt. Die sind alle zu Fuß durch Deutschland – zuerst zusammen, dann haben sie sich verteilt. Helmut ist kurz vor Hamburg, in der Lüneburger Heide, von einer Bauersfrau verraten worden und nach Flandern in englische Gefangenschaft gekommen.

Die Gefangenen haben anfangs wirklich auf der nassen Wiese gelegen. Sehr schnell hat eine Gruppe von ihnen eine Art Volkshochschule aufgemacht. Helmut berichtete seinen Kameraden in diesem Rahmen über den Prozess gegen die Männer vom 20. Juli vor dem Volksgerichtshof, bei Freisler. Seine kritischen Schilderungen des fürchterlichen Verfahrens haben wahrscheinlich mit dazu geführt, dass er sehr früh entlassen worden ist. Er kehrte am 24. August zu mir zurück. Ich hörte unseren Familienpfiff, ließ alles stehen und liegen, sauste raus, und da kam Helmut, sehr abgemagert und in einer selbst genähten Hose. Die Hose bestand aus Tarnstoff, und vorn, wo heute eigentlich ein Reißverschluss ist, befand sich ein riesengroßer Knopf. Einen anderen hatte er nicht gehabt. Der Knopf war mit grauer Strumpfstopfwolle festgenäht.

Sie wohnten damals im Wochenendhäuschen Ihrer Eltern in Neugraben. Gab es dort Platz genug für alle?

Schmidt: Es war schon sehr eng. Meine beiden Schwestern waren noch da, und meine Eltern hofften, dass irgendwann auch mein Bruder Christoph auftauchen würde. Er kehrte wenige Wochen später in zusammengeschnorrten Zivilkleidern vom Plattensee zurück.

Ich hatte mir gerade ein paar Tage vor Helmuts Rückkehr ein Zimmer gesucht. In einem Siedlungshaus ein Stückchen weiter fand ich eines – zwar auch mit Plumpsklo und Pumpe vor dem Haus, aber ein anständiges Zimmer mit einem Ofen. Wir hatten nur keine Möbel. Mein Vater – und Helmut – haben aus Brettern, damals bewahrte man ja alles auf, weil man alles gebrauchen konnte, ein primitives Bettgestell gemacht. Wir haben auch noch Matratzen kaufen können; sie waren mit Stroh gefüllt. Das Bett war jedoch so schmal, dass die drei Matratzenstücke nicht darauf passten. Wir haben deshalb auf zwei Strohmatratzen geschlafen. Das Bett war unser erster Einrichtungsgegenstand. Ein bisschen Deckenzeug bekamen wir von meinen Eltern, die allerdings auch nicht viel hatten. Dann sind wir in eine Sammelstelle gegangen, wo alte Möbel und anderer alter Hausrat zu bekommen waren. Dort haben wir uns einige Einrichtungsgegenstände geholt.

Es war eine glückliche Zeit – mit einigen Tücken. Helmut war völlig abgemagert aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Das hatte Folgen: Wir standen jeden Morgen vergnügt von unserem schmalen Bett auf. Helmut strahlte, dann machte es plumps, und er lag auf dem Boden. Er war völlig unterernährt, wie so viele Menschen damals. Sein Kreislauf spielte nicht mehr mit. Ich habe ihn gleich wieder ins Bett gepackt.