Viswanathan Anand und seinem unterlegenen russischen Herausforderer Wladimir Kramnik begleitet und miterlebt, wie Kramnik zur Halbzeit des auf zwölf Partien angesetzten Wettkampfs mit drei Punkten zurücklag und trotzdem das große Publikumsinteresse ungebrochen blieb, wozu sicher die hervorragende Organisation beigetragen hat und der vorzügliche Spielort, die Bundeskunsthalle in Bonn, aber auch die durch dieses Match besiegelte Wiedervereinigung der Schachwelt, der von Anfang bis Schluss freundliche Umgang der beiden Akteure miteinander und außerdem die wilden Gefechte. Doch mein Schlüsselerlebnis sollte ich am Morgen der zehnten Partie haben.

Als einer der Kommentatoren – neben Deutsch wurde mit dem neuen Foidos Internet-TV auch auf Englisch, Spanisch und Russisch in alle Welt live übertragen – hatte ich die Schach-WM zwischen dem indischen Weltmeister

Da traf ich kurz nach sieben Uhr den Ungarn Peter Leko, den Hauptsekundanten Kramniks, beim Frühstück im Hotel, zu einer Zeit, als Kramnik unbedingt die letzten drei Partien gewinnen musste, um wenigstens den Stichkampf zu erreichen. Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Doch Leko hatte trotzdem die ganze Nacht Eröffnungsfeinheiten für Kramnik "ausgekocht", wollte jetzt zwei Stunden schlafen, um dann weiterzuarbeiten. Dieser Einsatz beeindruckte mich zutiefst. Und er sollte sich – zumindest in dieser zehnten Partie – auszahlen, Kramnik überspielte seinen Gegner vollkommen.

Mit welch feinem, aber auch bedrohlichem Zug bewog er als Weißer Anand zur Aufgabe?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 50: