ZEITmagazin: Herr Wallraff, Sie haben sich in den letzten beiden Jahren dafür eingesetzt, dass in Köln-Ehrenfeld, wo Sie wohnen, eine neue Moschee gebaut wird. Wieso?

Günter Wallraff: Ich kenne die Moschee dort recht gut: Es ist eine alte Fabrikhalle, die langsam verfällt. Es geht also gar nicht darum, eine Moschee mehr in Deutschland zu bauen, sondern eine marode durch eine moderne zu ersetzen. Der Architekt, der den Bau plant, hat auch schon moderne Kirchen entworfen – die Moschee wird in diesem Fall also keine Machtdemonstration von Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran in Deutschland sein. Die Moschee wird meinem Stadtteil guttun, einem ehemaligen Arbeiterviertel, nicht gerade reich an Sehenswürdigkeiten. Sie wäre ein Anziehungspunkt, auch für Touristen.

ZEITmagazin: In Berlin und auch in Köln gab es wütende Proteste gegen Moscheebauten. Können Sie das verstehen?

Wallraff: In meiner Nachbarschaft in Köln sprechen sich sogar viele Türkischstämmige gegen den Bau aus, weil sie befürchten, dass dort junge Muslime indoktriniert und weiter isoliert werden.

ZEITmagazin: Ist dann Ihre Haltung nicht ein wenig leichtgläubig?

Wallraff: Ich gebe zu, dass ich früher ein bisschen naiv war. Ich erinnere mich gut, wie ich Ende der achtziger Jahre eine Rede in einer Moscheengemeinschaft in Köln hielt: Alles Kritische, was ich über den Islam referierte, wurde einfach nicht übersetzt. Am gleichen Abend stellte sich heraus, dass die Anwesenden ausnahmslos die Fatwa gegen Salman Rushdie unterstützten. Seither lege ich Wert darauf, wenn es denn sein muss, mir die richtigen Feinde zu machen. Was ich vermisse, ist ein Protest gläubiger Muslime gegen die Terroranschläge, die im Namen des Islam begangen werden. Es gibt zwar kritische Einzelstimmen, aber keine organisierte Gegenbewegung.

ZEITmagazin: Sie selbst wurden mit dem Tod bedroht, als Sie öffentlich vorschlugen, in der Kölner Moschee aus den Satanischen Versen von Salman Rushdie vorzulesen.