Dass in einer globalisierten Welt die international verknüpfte Wirtschaft und der gleichfalls international agierende Terrorismus unweigerlich miteinander in Konflikt geraten müssen, ist eine logische Konsequenz, wie sie Thomas Fischermann in seinem Artikel Mal eben Krieg (ZEIT Nr. 50/08) richtig analysiert hat.

Ja, die großen Waren- und Finanzströme sind vielfältig bedroht, und wenn erst einmal Angst und Unsicherheit den globalen Markt erfasst haben, dann können sogar die kleinsten Nadelstiche fanatischer Einzeltäter oder radikaler Grüppchen ganze Volkswirtschaften erbeben lassen.

Mit der Konsequenz jedoch, die Thomas Fischermann aus dieser Tatsache zieht, beweist er, wie wenig auch sechzig Jahre nach ihrer Deklaration die Menschenrechte einen Eingang in die Analysen und Handlungskonzepte internationaler Politik und Ökonomie gefunden haben.

Denn allein durch einen einseitigen militärischen Schutz der Weltwirtschaftsrouten oder durch neue sicherheitspolitische Konzepte wird sich ein solches Problem langfristig nicht lösen lassen. Dass ein Großteil der somalischen Piraten ehemalige Fischer sind, deren Fischgründe von internationalen Hochseeflotten leer gefischt wurden, oder dass die meisten Einwohner der bodenschatzreichen Staaten Afrikas kaum einen Anteil am Gewinn dieser Ressourcen erhalten, ist keine Entschuldigung für deren gewalttätiges Vorgehen, aber der eigentliche Auslöser der Misere.

Zugleich findet sich hier der Ansatzpunkt für eine Politik, die sich stärker den Menschenrechten und dem Völkerrecht verpflichtet fühlt als dem einseitigen Erhalt von Wohlstand und Arbeitsplätzen im Westen unter dem Deckmantel einer globalen Wirtschaftskrise. Allemal effektiver für alle Beteiligten wäre eine Politik, die sich langfristig mehr dem ius gentium, dem Recht aller Menschen, verpflichtet fühlt als einem bloßen Beharren auf den traditionellen Machtinteressen der Nationalstaaten und westlichen Volkswirtschaften.

Marco Maria Emunds , 24, studiert Geschichte und Katholische Theologie in Aachen

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