Kein Sportreporter, der auf sich hält, würde ein Fußballtor, das kurz vor Ende der Spielzeit fällt, als "Tor in letzter Minute" bezeichnen. Ein solches Tor heißt selbstverständlich (siehe Süddeutsche Zeitung vom 8.12.2008) ein "Last-Minute-Tor". Die treudeutsche Durchkoppelung mit Bindestrichen beweist den Grad der Verwurzelung im Mutterboden unserer Sprache, wie es auch die Beispiele "Last-Minute-Flug", "Last-Minute-Kaiserschnitt", "Last-Minute-Karriere" (für einen, der beinahe gescheitert wäre), ja sogar "Last-Minute-Taufe" (für etwas, was ehedem Nottaufe hieß) zeigen. Gewiss ist die Letzte Ölung auch hier und da schon als "Last-Minute-Ölung" propagiert worden, wie denn überhaupt das Reich des Glaubens mit seinen Endzeiterwartungen dem Last-Minute-Gedanken sehr zugänglich ist. Ob allerdings das Jüngste Gericht wirklich ein "Last-Minute-Gericht" ist oder nicht vielmehr jenes, was tagt, wenn die letzte Minute bei Lebzeiten versäumt wurde, mag dahingestellt sein. Das "Last-Minute-Gericht" im Verständnis eines preiswerten Leipziger China-Lokals ist jedenfalls jenes, was besonders günstig kurz vor Lokalschluss erworben werden kann. Guten Appetit! Jens Jessen

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