DIE ZEIT: Frau Hunziker, Sie verwalten Vermögen. Haben Sie bei Ihrer Firma Forma Futura auch verärgerte Kunden, die Verluste von 30 oder 40 Prozent erlitten haben?

Antoinette Hunziker: Nein, es hat niemand Werteinbußen von mehr als 18 Prozent erlitten. Das ist das maximale Risiko, das wir aufgrund der Marktdaten der letzten 15 Jahre bei einem Portefeuille mit mittlerem Aktienanteil errechnet haben. Bei den meisten sind die Buchverluste geringer, weil wir in Firmen investieren, die über eine solide Eigenkapitalbasis und über hervorragende Perspektiven verfügen. Bei den Großbanken sind wir schon im Mai 2007 ausgestiegen.

ZEIT: Warum sind Sie bei den Banken ausgestiegen? Damals gings ja noch aufwärts.

Hunziker: Man kann nicht dauernd die Wachstumsrate verdoppeln. In der Natur gibt es auch kein exponentielles Wachstum, außer bei den Algen. Wer maßlos wird in seiner Renditeerwartung, muss irgendwann beginnen, auf gefährliche Weise kreativ zu werden. So entstand die Maschinerie mit den strukturierten Produkten. Dass so was nicht gesund ist, merkte man schon an den Anlässen der Banken. Event-Veranstalter sagten damals zu mir: "Wir können die Kundenanlässe für die Banken gar nicht teuer genug machen." Mir hat mein erster Börsenchef bei der Bank Leu, Willi Dönz, bei der Stabsübergabe gesagt: "Die Bäume wachsen nie in den Himmel. Es ist gut, wenn wir jeden Tag ein bisschen Geld verdienen." Das hat mich sehr geprägt.

ZEIT: Sie versprechen Ihren Kunden nicht nur ein reines Gewissen, sondern auch eine "adäquate Rendite". Was darf man denn erwarten?

Hunziker: Realistisch sind Renditen von sechs bis sieben Prozent auf eine Dauer von sieben bis zehn Jahren. Wer zehn Prozent inklusive Kapitalschutz in einer viel kürzeren Zeit verspricht, spekuliert und setzt den Anleger einem möglicherweise schlecht quantifizierbaren Risiko aus. Ein gutes Gewissen versprechen wir niemandem, aber wir bieten eine Alternative zum lange Zeit gängigen Modell: 95 Prozent des Geldes möglichst gewinnbringend anlegen und fünf Prozent spenden. Wir ermöglichen es unseren Kunden, zu hundert Prozent in Übereinstimmung mit ihren persönliche Werten investiert zu sein. Deshalb laufen uns die Kunden jetzt nicht davon – wir haben eine einzige Kundin verloren, interessanterweise eine Bankangestellte. Dem steht ein substanzieller Neugeldzufluss gegenüber.

ZEIT: Fehlt nur noch, dass Sie sagen, die Stimmung bei Forma Futura sei hervorragend.