Die ZEIT: Frau Ditzen, Sie erforschen an der Universität Zürich das "Vertrauenshormon" Oxytocin, wäre das nicht ein ideales Geschenk zu Weihnachten – dem angeblichen Fest der Liebe?

Beate Ditzen: Sie werden es nicht glauben, aber in den USA gibt es eine Firma, die sich auf unsere Studienergebnisse beruft und das Hormon als Körperspray verkauft. Sie nennen es "Liquid Trust".

ZEIT: "Flüssiges Vertrauen" klingt gut. Freut Sie das?

Ditzen: Nein, das ist für mich als Forscherin eher ärgerlich. Denn da wird eine Wirksamkeit suggeriert, die durch nichts belegt ist.

ZEIT: Warum? Sie haben doch selbst nachgewiesen, dass sich streitende Paare versöhnungsbereiter sind, wenn man ihnen Oxytocin verabreicht.

Ditzen: Stimmt. Sich streitende Paare, die Oxytocin bekommen hatten, zeigten öfter positive als negative Verhaltensweisen. Statt sich Vorwürfe zu machen, waren sie kooperativer und freundlicher miteinander. Bei jenen, die ein Placebo bekommen hatten, war es eher umgekehrt. Der Unterschied im Verhältnis von positiven und negativen Verhaltensweisen war sogar statistisch signifikant.

ZEIT: Na also.

Ditzen: Ja, aber erstens haben wir das Hormon direkt in die Nase verabreicht; der Effekt eines Körpersprays ist unklar. Und zweitens sind die Effekte des Nasensprays sehr subtil. Es ist nicht so, dass die Paare mit Oxytocin von einer Welle des gemeinsamen Glücks hinweggespült werden.

ZEIT: Schade. Wo bekommt man die "Vertrauensdroge"?

Ditzen: Oxytocin ist ein Hormon, das im Körper selbst hergestellt wird. Es wird aber auch als verschreibungspflichtiges Medikament gegen Ende der Schwangerschaft gegeben, um unmittelbar vor der Geburt Wehen auszulösen. Unsere Dosis war niedrig, deutlich unter der in der Schwangerschaft verabreichten Dosis. Unsere Versuchspersonen sollten keine Nebenwirkungen spüren.

ZEIT: Haben Sie einen Selbstversuch gemacht?

Ditzen: Ja, aber ich habe nichts gespürt. Auch unsere Versuchspersonen merken eigentlich nichts. Die Wirkung lässt sich nur im standardisierten psychologischen Experiment nachweisen.