Es klingt schier unglaublich, was Ben Bernanke da vorhat. Der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) will die Notenpresse anwerfen, um die Wirtschaft zu retten. Bernanke macht damit seinem Spitznamen alle Ehre: "Helikopter Ben" nennen sie ihn schon länger an der Wall Street, seit er vor sechs Jahren sagte, eine Zentralbank könne in einer schweren Krise ja einfach mit einem Hubschrauber Banknoten abwerfen, zwecks Ankurbelung der Konjunktur. Ein Gedankenexperiment, das auf den großen alten amerikanischen Ökonomen Milton Friedman, den Begründer des Monetarismus, zurückgeht.

Kann das denn funktionieren?

In normalen Zeiten steuert eine Zentralbank die Wirtschaft über den Leitzins, also jenen Zins, zu dem sich die Banken bei ihr mit Finanzmitteln eindecken können. Wenn sie den Zins senkt, werden Kredite billiger, und das Geldsparen wird weniger attraktiv. Also investieren die Unternehmen mehr, und die Leute geben mehr in den Geschäften aus. Die Konjunktur kommt in Gang. Läuft die Wirtschaft irgendwann zu heiß, werden die Zinsen einfach wieder angehoben.

In den USA liegt der Leitzins aber schon lange bei nahezu null Prozent. Trotzdem kommen weder der Konsum noch die Investitionen in Gang. Ein wichtiger Grund: Die Banken sind so angeschlagen, dass sie mit Krediten knausern, obwohl sie sich selbst günstig neues Geld bei der Zentralbank besorgen könnten. Sie geben also die günstigen Finanzierungsbedingungen bei der Fed nicht weiter. Ähnlich verhalten sich die Investoren an den Finanzmärkten: Sie verlangen hohe Risikoaufschläge, wenn sich Unternehmen über die Ausgabe von Anleihen mit Geld versorgen wollen.

Genau hier setzt die Fed nun an: Sie druckt zusätzliche Dollar und kauft damit Anleihen und andere Wertpapiere einfach auf. Ergebnis: Für die Unternehmen wird das Kapital billiger, für die Verbraucher sinken die Hypothekenzinsen, Geldausgeben wird lukrativer. Bernanke betritt damit Neuland. Was er tut, steht in keinem Lehrbuch der Geldpolitik. Die Fed, sagt Mark Gertler, Wirtschaftsprofessor an der New York University, versorge nun Unternehmen und Verbraucher direkt mit Kredit, statt diese Aufgabe über die Finanzbranche laufen zu lassen, und agiere überhaupt mehr und mehr wie eine ganz normale Geschäftsbank.

Andere Länder sind auf einem ähnlichen Weg. Die Schweiz betreibt eine Nullzinspolitik, Japan ebenfalls. Selbst die eher konservative Europäische Zentralbank bereitet sich auf neue Zinssenkungen vor. Und auch im Frankfurter Euro-Tower wird darüber diskutiert, Anleihen aufzukaufen.

Das kann eine Zentralbank praktisch unbegrenzt tun. Sie kann so viele Dollar, Euro oder Franken drucken, wie sie nur will, weil die Währungen nicht mehr wie früher an Gold gekoppelt sind. Das schafft maximale Flexibilität bei der Abwehr einer Krise. Als Franklin Delano Roosevelt im Jahr 1933 den Kampf gegen die Große Depression aufnahm, war es eine der ersten Amtshandlungen des damaligen US-Präsidenten, die Goldbindung aufzulösen.