So einfach geht das: Man nehme ein paar x-beliebige Kräuter, mische eine psychoaktive Chemikalie darunter und verkaufe das Ganze als Räuchermischung an Jugendliche. Was die Londoner Firma Psyche Deli mit ihrer vermeintlichen "Biodroge" Spice angerichtet hat, ist, mit Verlaub, eine Schweinerei – das steht spätestens fest, seit eine Frankfurter Pharmafirma in mehreren Proben ein synthetisches Cannabinoid nachweisen konnte.

Erschreckender als das verantwortungslose Verhalten der Hersteller ist jedoch etwas anderes: Wieso kann in Deutschland eine Substanz, die viermal so potent ist wie der Wirkstoff von Cannabis, völlig unkontrolliert in die Hände von Kindern und Jugendlichen gelangen? Spice gibt es nicht erst seit ein paar Monaten. Dass die Konsumenten die Kräuter nicht als Raumerfrischer verwenden, sondern rauchen, ist auch kein Geheimnis. Aber um den Kontrollen der deutschen Behörden zu entgehen, genügt offenbar der knappe Vermerk "Nicht zum Verzehr geeignet".

In der Schweiz hat es gereicht, dass der Inhalt der Tütchen ganz offensichtlich eine psychotrope Wirkung entfaltet. Spice wurde dort schon im Frühjahr 2007 aus den Läden entfernt. Schade, dass in Deutschland und in Österreich erst ein hochwirksamer Inhaltsstoff identifiziert werden musste, damit fast zwei Jahre später endlich das gleiche passiert.

Es genügt nicht, Spice jetzt aus dem Verkehr zu ziehen und die ganze Geschichte zu vergessen. Wir brauchen dringend eine Strategie, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern. Die ersten Nachahmerprodukte sind bereits auf dem Markt. Niemand weiß, was darin steckt. Nicht deklarierte synthetische Cannabinoide gibt es genug: Das Spiel kann bald von vorn beginnen.