In der ersten seiner neuen Geschichten erzählt David Sedaris davon, wie ihn seine urlaubende Schwiegermutter besucht. Die Umstände erinnerten den Rezensenten an eine Ferieneinladung der eigenen Schwiegereltern in ein – so wurde versprochen – wahres Paradies. Und darauf bestanden die Lieben auch weiterhin, zumindest solange das Wetter kein Grad zu heiß oder zu kühl war, die Kellner stets lächelten, der Koch die Erbsen hübsch drapiert hatte. Doch schon falsche Brötchen konnten das Frühstück verderben. Das Paradies, so stellte sich heraus, unterlag einem strengen Befindlichkeitsreglement. Jeder Verstoß war ein Höllensturz. Vielleicht macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber seit diesem Urlaub weiß ich, dass ein Wölkchen locker den ganzen Himmel trüben kann. Es hängt nur von den Erwartungen ab.

David Sedaris ist einer, der nach den Wölkchen sucht. Aus ihnen macht er Geschichten, in denen eine harmlose Grundsituation an Täuschungen und Missgeschicken zerrieben wird. Mit Satire hat das, obwohl verwechslungsähnlich, wenig zu tun. Sedaris ist ein Realist des kumulativen Malheurs. Sein Witz schneidet nicht, sondern kitzelt – was sich zugleich sehr komisch und sehr schauerlich anfühlt – wie ein stumpfes, rostiges Messer. Es ist der Witz einer empfindsamen Seele aus North Carolina, der im mutwilligen Streben nach Höherem (Kunst, Mode, New York) schartig wurde an den landläufigen Zumutungen der Welt. An garstigen Flugzeugnachbarn, der Provinzkunst, der Familie, am Herrenaccessoire. Und am Selbstbetrug. Sedaris’ Bücher kreisen um die Karriereknicks eines Möchtegerns, der cool hip arty urban sein will – also das, was wir so für Selbstverständlichkeiten halten. Sedaris’ großer Erfolg nährt sich aus der Ahnung, dass es damit doch nicht so einfach ist. Seine autobiografischen, mild exhibitionistischen Storys über lächerliche Jobs, miesen Sex und bescheidene Drogenerlebnisse enden noch nicht mal im Schrecken, sondern in einer so trockenen Peinlichkeit, dass es schon wieder befreiend ist.

Vielleicht ist David Sedaris gar kein richtiger Schriftsteller, denn er beherrscht nur ein einziges Genre. Es heißt: "Wie erzähle ich mein Leben als Doku-Sitcom des Scheiterns?" Nach ein paar etwas gekünstelten Erzählungen ist er nun zu seinen (durch Fankult gegen Kritik fast immunen) Beichten zurückgekehrt. In Schöner wird’s nicht schlägt sich der Autor, jetzt Anfang fünfzig, also wieder mit drängenden Jugendwirren herum, er erzählt aber auch mehr über das tückische Landleben in Frankreich oder die Nöte eines sprachschwachen Amerikaners in Paris, der jeden Vorschlag mit einem abenteuerlustigen "d’accord" akzeptiert.

Und ganz, ganz sachte stehlen sich in seine unverwüstliche Episodenprosa zwei neue Gäste, weit unwillkommenere als die Schwiegermutter, nämlich das Altern und der Tod. Die will Sedaris nun so ganz und gar nicht daheim haben, er muss sich aber mit ihnen abfinden, wie mit dem echten Skelett, das er einmal seinem Freund schenkt. Mit der Verfügungsmacht des Beschenkten hängt der es prompt an die Schlafzimmerdecke, und dort erweist sich das Gerippe auch noch als ziemliches Miststück. Es nutzt seinen überlegenen Standpunkt aus, uns andauernd ein leises, hämisches "Du wirst sterben" zuzuflüstern. Weiter passiert dann nichts mehr in dieser Geschichte. Aber an den Erzählhaken muss man seine Midlifekrise erst mal knüpfen.

David Sedaris: Schöner wird’s nicht

Aus dem Englischen von Georg Deggerich; Blessing Verlag, München 2008; 320 S., 19,95 €