Vor 100 Jahren wurde der Geiger David Oistrach geboren, der – wie viele Musiker – auch dem Schachspiel sehr zugetan war und oft bei Turnieren "kiebitzte". Als allerdings der ehemalige Schachweltmeister Michail Botwinnik die "Schachkunst" auf eine Stufe mit der Musik stellen wollte, erntete er doch erzürnten Widerspruch. Oistrach war ein starker Schachspieler, der 1937 in Moskau sogar ein öffentliches Match gegen seinen Freund Sergeij Prokofjew austrug und nur knapp mit 2:3 Punkten verlor. Widmete ihm dieser sein zweites Violinkonzert zur Belohnung oder zum Trost?

Später spielte Oistrach manchmal Partien mit dem Konzertpianisten und Schachgroßmeister Mark Taimanow, einer seltenen Doppelbegabung, der sich zwischen Tourneen und Turnieren "aufteilte". In der Kulturschachzeitschrift Karl sagt der inzwischen 82-Jährige: "Dadurch blieb mir immer die Sehnsucht nach einem von meinen Berufen erhalten. Wenn ich lange keine Konzerte gab, erholte ich mich von der Musik; spielte ich lange keine Turniere, erholte ich mich vom Schach. Scherzhaft kann man sagen, dass mein Leben somit ein reiner Urlaub war."

Ganz besonders wird es Taimanow gefreut haben, als er 1977 den damaligen Weltmeister Anatolij Karpow mit einer tückischen Opferkombination besiegte. An der Stelle, die das Diagramm zeigt, brach über den ahnungslosen Karpow, der sich mit seinem fetten Freibauern b6 auf dem Siegespfad wähnte, ein fantastischer Fortissimo-Schlag herein, der ihn sofort aufgeben ließ. Was zog Taimanow als Schwarzer?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 52:
Mit welcher durchschlagenden Kombination gewann Weiß am Zug sofort? Nach dem Turmopfer 1.Txh7+! gab Schwarz schon auf, weil er nach 1…Kxh7 2.hxg6+ auch noch die Dame verliert