Am anderen Ende der Welt, auf Samoa, einem Paradies im Pazifik mit Palmenwäldern und Postkartenstränden, fahren sie auch Autos – knatternde Kleinwagen wie bullige Pick-ups. Bis vor Kurzem hatten die eines gemein: das Steuerrad auf der linken Seite. Das ist jetzt vorbei. Im September 2009 sollen die Samoaner den "Switch" vollziehen, den Wechsel vom Rechts- zum Linksverkehr, und nun stecken sie in einer ungewissen Übergangsphase.

Der Premierminister gibt mächtig Gas, das Parlament folgt ihm. Aber viele Bürger sind dagegen. Sie sehen keinen Sinn im Linksverkehr, sie wollen die Sache kippen, vor dem Obersten Gericht oder mit einer eigenen Partei im Parlament. "Don’t change traffic, change government", skandieren sie. Und: "Right is right!" Tatsächlich fährt man nur in 58 von 221 Staaten und Gebieten der Welt links, oft in ehemaligen britischen Kolonien wie Indien, Südafrika oder Neuseeland, dort, wo man auch den Cricketschläger schwingt oder Rugby spielt.

Tom Rudnick, südseebraun im schwarz-grauen Hawaiihemd, kippelt auf einem Stuhl in seinem Büro in Apia, der größten Stadt der samoanischen Hauptinsel Upolu. Er telefoniert. Schon wieder eine Bestellung. Vor einem Vierteljahrhundert hatte der 49-Jährige das badische Bad Säckingen verlassen, um als Imker auf Samoa zu arbeiten; später wurde er Supermarktleiter, dann Hotelmanager. Und jetzt macht er seit Anfang Oktober diese Autosache. Er ist der erste Händler hier, der Gebrauchtwagen mit dem Steuer auf der rechten Seite verkauft. Der stellvertretende Premierminister kam zur Geschäftseröffnung. Stolz zeigt Rudnick einen gerahmten Zeitungsartikel mit großem Foto. Vor seinem Büro im frischen Kiesbett glänzen der Isuzu Wizard V6 und andere Schwergewichte, die jetzt aus den Linksfahrnationen Japan und Neuseeland nach Samoa verschifft werden. Rudnick sagt: "Keiner weiß genau, warum wir den Switch machen. Der einzige echte Befürworter ist der Premierminister. Den müsste man mal fragen."

Es ist nicht leicht, einen Termin beim Premierminister zu bekommen. Es bedarf vieler EMails, Anrufe und persönlicher Vorstellrunden im Vorzimmer. Erst dann öffnen sich die massiven Pforten im fünften Stock des Regierungsgebäudes an der Küste von Apia.

Das Büro des Regierungschefs sieht aus wie ein unaufgeräumtes Wohnzimmer im Biedermeier-Stil. Alte Kirchenbilder stehen verloren auf dem Boden, ein braunes Beistelltischchen ächzt unter der Last von Büchern. Schief hängt die samoanische Fahne von einem Bücherregal. Und ebenso schief hängt der Hausherr, Premierminister Tuilaepa Lupesoli’ai Sa’ilele Malielegaoi, in seinem Stuhl, als er brummig seine Argumente für den Switch diktiert.

Und die Gegenargumente? Quatsch! Quatsch! Quatsch!

Erstens bringe dieser den Samoanern, die in Scharen nach Neuseeland und Australien auswandern, im dortigen Linksverkehr mehr Sicherheit und erhöhe zweitens die Chance, dort einen Job im Transportgewerbe zu finden. Sie könnten dann drittens günstige Gebrauchtwagen für ihre Verwandten kaufen und nach Samoa exportieren. Viele Familien auf Samoa leben von dem, was ihnen der Sohn oder die Tante oder ein anderer Verwandter aus Neuseeland schickt. "Bisher schicken sie Geld nach Samoa, bald Autos", sagt Malielegaoi. Das würde viertens das Leben der Leute auf den Dörfern erleichtern. Sie könnten so ihre Kinder zur Schule bringen oder vor dem nächsten Tsunami in die Berge fliehen. Das sind die Ziele der "Jeder Familie ein Auto"-Politik des Premierministers.