In einen großen Tanklastwagen passen 40.000 Liter Heizöl oder Benzin. Das ist viel, aber fast nichts im Vergleich zu 80 Millionen Liter. Das ist die Menge, um die die Nachfrage nach Öl weltweit im dritten Quartal des vergangenen Jahres gesunken ist. 80 Millionen Liter pro Tag. Und auch diese Menge ist nicht wirklich groß, jedenfalls verglichen mit dem weltweiten Verbrauch von Öl. Der beträgt mehr als das Hundertfache davon, täglich, also machte der jüngste Rückgang gerade mal 0,6 Prozent aus, wenn man es dem entsprechenden Zeitraum 2007 gegenüberstellt. Gegen Ende des Jahres sank die Nachfrage noch einmal etwas.

Der Rückgang war bisher also nicht groß, wohl aber seine Wirkung: Der Ölpreis bewegte sich in rasantem Tempo – nach unten.

Im Sommer 2008 kostete ein Fass Öl à 159 Liter wochenlang mehr als 130 Dollar. Jetzt beträgt der Preis weniger als 50 Dollar. Das ist ein Absturz um rund 60 Prozent. Die pro Liter erhobene Mineralölsteuer lässt die Verbraucher den Preisrutsch zwar nur gedämpft spüren. Immerhin kostet einmal Volltanken heute aber rund 20 Euro weniger als vor einem halben Jahr.

Wenigstens ein Trost: Der Niedergang der Konjunktur vernichtet zwar Jobs, er lässt aber auch die Nachfrage nach Diesel, Benzin und Heizöl sinken – und damit den Öl- und den Benzinpreis. Der Markt, der ohne Regeln zum Verrücktspielen neigt, wie die Bankenkrise gezeigt hat, wirkt eben auch zugunsten der Verbraucher. Auf dem Ölmarkt gerade jeden Tag.

Die Geschichte von den bösen Spekulanten ist ein Märchen

Fragt sich nur: Warum? Wie kommt es, dass ein Nachfragerückgang um wenige Prozent den Ölpreis mehr als halbiert? Die Antwort ist überraschend – und sie gilt auch für den umgekehrten Fall, für steigende Notierungen: Wie teuer das Öl ist, sagt Julius Walker, der zuständige Fachmann bei der Internationalen Energie Agentur (IEA) in Paris, bestimmen jeweils nur kleinste Veränderungen auf der Angebots- oder Nachfrageseite des Marktes. "Die letzten Fässer machen den Preis", sagt Walker.

Viel ist in den Monaten der explodierenden Ölpreise darüber gerätselt worden, ob und in welchem Ausmaß Spekulanten an dem zuvor unaufhaltbar scheinenden Aufwärtstrend schuld waren. Besonders in den USA freundeten sich Politiker bereitwillig mit dieser These an. Wohl auch, weil ihr die Hoffnung innewohnt, es sei vorbei mit dem teuren Benzin, wenn man erst den Spekulanten das Handwerk lege, wie der Nobelpreisträger Paul Krugman glasklar erkannte.

Dass die These vom Spekulantentum als Ursache des teuren Öls falsch ist, fand der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich heraus. Jedenfalls wurden die IWF-Experten bei der Suche nach Belegen nicht fündig.