Für seine Hetze wurde er ein Jahr später wegen übler Nachrede in Tateinheit mit Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Haftstrafe von drei Monaten verurteilt, der ersten seiner vielen Strafen. Es hätte allerdings kein Verfahren gegen ihn gegeben, wäre da nicht Generalstaatsanwalt Fritz Bauer gewesen (der zu dieser Zeit noch in Braunschweig tätig war und in den sechziger Jahren durch die Auschwitzprozesse bekannt werden sollte). Denn die von Remer behaupteten "Staatspensionen" gab es zu dieser Zeit – leider – nicht.

Wie die Realität aussah, zeigt eine kleine Meldung der Neuen Presse in Coburg vom 21. Juli 1951: Die Oberfinanzdirektion München hatte am 7. Juli 1951 verfügt, dass ein Unterhaltsgeld in Höhe von 160 Mark im Monat an die Witwe des nach dem 20. Juli hingerichteten Obersten Rudolf Graf von Marogna-Redwitz nicht mehr weitergezahlt wurde. Die Begründung: "Wegen Hoch- und Landesverrat verurteilte frühere Wehrmachtangehörige" hätten "kein Anrecht auf irgendwelche Pensionen oder Renten".

Das Unrecht an den Hinterbliebenen war Alltag in den fünfziger Jahren. Gern unterstellte man indirekt Betrug. So hielt 1953 die zuständige Oberfinanzdirektion einer Witwe entgegen: "Ihr Mann hat überhaupt kein nationalsozialistisches Unrecht erlitten, er hat sich vielmehr selbst erschossen und ein erledigendes nationalsozialistisches Unrecht nicht abgewartet."

Der Witwe des Generalmajors Hellmuth Stieff wurde die Rente neun Jahre lang verweigert. Das Versorgungsamt München II vertrat auch in dritter Instanz die Meinung, selbst "die Aufhebung des Volksgerichtshofsurteils nach dem Kriege" besage nicht, dass "ein offensichtliches Unrecht" vorgelegen habe. Erst der Elfte Senat des Bundesverwaltungsgerichts stellte im Juli 1960 fest, dass die Verurteilung Stieffs "offensichtliches Unrecht" gewesen und im Zusammenhang mit seinem militärischen Dienst erfolgt sei. Ili Stieff erhielt endlich das ihr zustehende Geld.

Es erscheint heute fast unvorstellbar, dass die Urteile des Volksgerichtshofs und der Sondergerichte erst 1998 aufgehoben wurden, die der Wehrmachtjustiz noch später. Und viele Urteile wegen "Kriegsverrat" gelten heute noch.

Kurioserweise war es ausgerechnet die Berlin-Blockade 1948, die dafür sorgte, dass erstmals ein neues Licht auf den 20. Juli fiel. Denn wenn der Widerstand gegen die kommunistische Diktatur legitim war, dann konnte der gegen die nationalsozialistische Diktatur kein Unrecht gewesen sein.

Bald darauf, im Zuge der Diskussion um die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, wurde erneut um den 20. Juli gestritten. So erklärte der Vorsitzende des neu gegründeten Verbandes Deutscher Soldaten in Bayern, Oberst a. D. Ludwig Gümbel, im Oktober 1951, in einer neuen deutschen Armee sei kein Platz für die Widerstandskämpfer: "Wir meinen, daß ihre Rückkehr sich in einer Gefährdung des soldatischen Geistes, ohne den jeder Wehrbeitrag undenkbar ist, auswirken muß und wird." Dieser Attacke allerdings widersprach das Kabinett unter Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) heftig; gleichzeitig wurde eine staatliche Förderung der Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944 beschlossen – "als Ehrenpflicht des deutschen Volkes".