1953/54 gab es die ersten großen öffentlichen Würdigungen des Widerstandes, für die sich vor allem Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) und der Berliner Bürgermeister Ernst Reuter (SPD) einsetzten. So wies Heuss in einem veröffentlichten Schreiben an Annedore Leber, die Witwe des noch im Januar 1945 ermordeten sozialdemokratischen Widerstandskämpfers Julius Leber, alle Verratsvorwürfe zurück und bekannte sich in etlichen Reden leidenschaftlich zum Erbe der Widerständler: "Die Scham, in die Hitler uns Deutsche gezwungen hatte, wurde durch ihr Blut vom besudelten deutschen Namen wieder weggewischt. Das Vermächtnis ist noch in Wirksamkeit, die Verpflichtung ist noch nicht eingelöst."

1952 legte Luise Olbricht, Witwe des gleich am 20. Juli im Hof des Berliner Bendlerblocks erschossenen Generals Friedrich Olbricht, am Ort seiner Ermordung den Grundstein für das Ehrenmal zur Erinnerung an ihn und seine Mitstreiter. Es ist bezeichnend, dass die Anregung dafür von den Hinterbliebenen und nicht von staatlicher Seite kam.

Die Reden bei der Einweihung des Ehrenmals im Jahr darauf standen dann ganz unter dem Eindruck des Volksaufstandes in der DDR wenige Wochen zuvor. Hatte 1948 ausgerechnet die Blockade eine erste Anerkennung des Widerstands mit sich gebracht, erschien er nach dem 17. Juni plötzlich als Vorbild für das Handeln der Bevölkerung in der DDR. "Der Bogen vom 20. Juli 1944", rief Ernst Reuter beim Festakt im Bendlerblock aus, "spannt sich heute, ob wir wollen oder nicht, zu dem großen Tage des 17. Juni 1953, zu jenem Tag, an dem sich ein gepeinigtes und gemartertes Volk in Aufruhr gegen seine Unterdrücker und gegen seine Bedränger erhob und der Welt den festen Willen zeigte, daß wir Deutschen frei sein und als ein freies Volk unser Haupt zum Himmel erheben wollen."

Das sahen viele in Deutschland allerdings immer noch ganz anders. Am 13. Mai 1954 erklärte ein Mitglied des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) der Münchner Universität, "ein großer Teil" seiner Kommilitonen betrachte "den 20. Juli nur unter dem Gedanken des Hoch- und Landesverrats". Zwar distanzierte sich der Asta bald von diesen Äußerungen, doch in der Diskussion gab es auch manch Zustimmendes zu hören. "Mir erscheint der Rummel, der um den 20. Juli gemacht wird, ungerechtfertigt", gab ein Student zum Besten. "Wenn es den Attentätern wirklich um das Wohl des ganzen Volkes und nicht nur um persönliche Dinge gegangen wäre, hätten sie nicht sagen dürfen entweder-oder, sondern sowohl-als-auch. Mein Vorwurf, den ich den Leuten zu machen habe, ist der der Feigheit. Das sollte bei Offizieren nicht vorkommen."

"Doppelt kämpft der Widerstand auf der deutschen Leinewand"

Erstaunlicherweise entdeckte plötzlich das Kino den 20. Juli. 1955 produzierten sowohl die Berliner CCC-Film (unter der Regie des ebenfalls von den Nazis verfolgten Falk Harnack) als auch die Münchner Ariston-Film GmbH (unter der Regie des Altmeisters Georg Wilhelm Pabst) ein Werk zum Thema. Sie ernteten Hohn und Spott. Vom "40. Juli" war die Rede: "Doppelt kämpft der Widerstand / auf der deutschen Leinewand; / Ariston und CCC / kamen auf denselben Dreh." Kommerziell gerieten beide Filme, die das Unternehmen Walküre fast dokumentarisch und behutsam nachstellten, zum Reinfall. Das Interesse am Thema war gering.

Wer die Umfragen zum 20. Juli kannte, die das Institut für Demoskopie in Allensbach veröffentlichte, den konnte das nicht überraschen. So hatten 1951 nur 43 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen von den Akteuren des 20. Juli eine gute Meinung. Im Sommer 1956 lehnte es eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ab, eine Schule nach Stauffenberg oder nach dem zivilen Kopf des Umsturzversuches, Carl Friedrich Goerdeler, zu benennen. Nur 18 Prozent sprachen sich dafür aus.