Tel Aviv - Mit dem Waffengang gegen Hamas will Israel erreichen, dass der Raketenbeschuss aus Gaza nicht nur aufhört, sondern nachhaltig unterbunden wird. Im Süden des Landes müsse "eine neue Sicherheitsrealität" geschaffen werden – so heißt das erklärte Ziel der Operation. Diese vage Formulierung aber lässt offen, welche Wirklichkeit nach Ende des Krieges herrschen könnte. In der israelischen Debatte über das richtige Vorgehen werden unterschiedliche Szenarien diskutiert.

Da ist zunächst einmal die Option eines einseitigen Rückzugs in der Hoffnung, dass die massive Militärintervention wirkt. Hamas, die sich damit gebrüstet hatte, den "übermächtigen zionistischen Feind" jahrelang erfolgreich mit ihren Qassams gepeinigt zu haben, sollte eine Lektion erteilt werden. Israel, betonte Außenministerin Zipi Liwni, werde in Zukunft keinerlei Beschuss mehr hinnehmen.

Eine künftige Koexistenz basierte somit auf der Angst einer stark geschwächten Hamas vor einem erneuten Angriff Israels. Dahinter steht die Annahme, dass Hunderte von palästinensischen Toten und noch viel mehr Verletzten für Hamas ein zu hoher Preis sind. Sollte Hamas einen neuen israelischen Angriff provozieren, könnte sie ihre Stellung an der Macht riskieren. Letztlich will Hamas ja auch beweisen, dass sie als politische Kraft die Bevölkerung im Gaza-Streifen schützen kann.

Der Vorteil: Israel muss nicht darauf warten, bis Hamas die weiße Fahne hisst, und riskiert auch nicht, dass seine Soldaten bei andauernder Präsenz im Gaza-Streifen immer stärker gefährdet werden. Der Nachteil: Es gibt keinen klaren Sieger. Denn Hamas kann durchaus behaupten, dass es für sie schon ein großer Erfolg war, auch nach zehn Tagen noch Raketen nach Israel geschossen zu haben. Außerdem wäre eine Waffenruhe, die künftig allein auf dem Prinzip Abschreckung fußt, vom guten Willen von Hamas abhängig.

Stabiler wäre in jedem Fall eine Waffenruhe mit internationalen Garantien. In diesem Fall müsste es nach israelischer Vorstellung einen "Mechanismus" unter Beteiligung von Dritten geben, der für die Überwachung der Waffenruhe und gegebenenfalls auch deren Durchsetzung sorgt. Israel kann sich die Präsenz arabischer oder anderer Truppen zur Stabilisierung in Gaza vorstellen, während Hamas dort weiterregiert.

Für Israel aber stellt sich noch die Frage, ob ein vermittelter Waffenstillstand Hamas überhaupt als Partei mit einschließen sollte. Fände man auch die Unterschrift von Hamas auf einem Abkommen, wäre das ein Schritt in Richtung internationaler Anerkennung, nach der sie strebt.