DIE ZEIT: Wo Naturwissenschaftler sind, sind Bilder nicht weit: Aufnahmen von Gehirnen oder Galaxien, Zeichnungen von Dinosauriern. Können wir diesen Bildern trauen?

Peter Galison: Das hängt davon ab, was Sie über die Welt wissen wollen.

ZEIT: Die Wahrheit.

Galison: Leicht gesagt. Das Problem ist, dass die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten unterschiedliche Auffassungen von der wahren Welt hatten. Nehmen Sie als Beispiel die Kernspintomografie eines Gehirns. Sehen Sie in dem Bild die Wahrheit?

ZEIT: Man sieht viele Farben.

Galison: Man sieht das Ergebnis eines ziemlich komplizierten Bildgebungsverfahrens. Die künstlichen Farben repräsentieren den Sauerstoffgehalt des Blutes in unterschiedlichen Gehirnarealen. Man braucht eine Reihe von Annahmen – einige davon trifft der Computer, andere der Wissenschaftler –, um den Sauerstoffgehalt mit der Gehirnaktivität in Verbindung zu bringen. Wenn uns ein Hirnforscher ein solches Bild zeigt und sagt: Wir sehen hier einem Menschen beim Denken zu, sollte man vorsichtig sein.

ZEIT: Aber Kernspintomografen sind doch inzwischen ein Standardwerkzeug.