Eine Regierungserklärung zu schreiben oder die Rede zur Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten würde Claudius Kroker überhaupt nicht reizen. "Zu viel öffentliche Aufmerksamkeit, zu viel Druck." Aber für den künftigen Bundespräsidenten oder die Bundespräsidentin würde er gern einmal arbeiten. Thema: "Amt und Aufgabe. Da gäbe es einiges klarzustellen." Kroker ist ein Mann, der andere Menschen zum Reden bringt. Er ist Redenschreiber. Auf Bestellung legt der 38-Jährige seinen jeweiligen Auftraggebern passende Sätze in den Mund. Seit acht Jahren arbeitet der gelernte Journalist in Bonn als Freiberufler.

In der Branche kennt man sich, denn der Markt für freie Redenschreiber ist schmal. "Große Unternehmen haben eigene Schreiber. Politiker auch. Bundeskanzlerin Merkel beschäftigt sogar mehrere." Die Aufträge kommen daher von kleinen und mittleren Firmen, manchmal von Privatleuten, zum Beispiel für eine Hochzeit oder ein Jubiläum. Der Applaus gehört dem Vortragenden. Nicht dem Schreiber. Kein Problem für Kroker. "Die Rede muss zum Redner passen. Der Schreiber darf den Text nicht auf seine eigene Person hin entwerfen." Das Publikum hört, wenn sich Manuskript und Sprecher fremd sind und es von Absatz zu Absatz auch bleiben. Wer Reden schreibt, bleibt ein "Verborgener hinter dem Wort". Er muss äußerst diskret sein. "Man brüstet sich nicht damit, dem Prominenten XY etwas Gehaltvolles in den Mund gelegt zu haben."

Der Profischreiber weiß auch genau, was er wohl niemals verfassen wird: eine Karnevalsrede. Auch für Frauen fand Claudius Kroker bisher keine Worte, dabei hätte er ihnen generell schon etwas zu sagen. Es hat sich nur noch nicht ergeben. "Mich haben bislang nur Männer beauftragt."

Ausbildung: Redenschreiber-Seminare
Arbeitszeit: Bis zu 60 Stunden pro Woche
Verdienst: Bis zu 5000 Euro pro Monat