Mehr als die Hälfte des im Land geförderten Erdgases verbraucht Russland selbst. Die russische Gasförderung ist jedoch dermaßen immens, dass der Export dem Land riesige Deviseneinnahmen beschert: schätzungsweise 85 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Deutschland ist Gasproms zweitgrößter Kunde – nach der Ukraine. Die Ukraine ist obendrein das wichtigste Transitland für russisches Gas. 80 Prozent des für den Westen bestimmten Gases muss durch ukrainische Pipelines. Deshalb traf der russisch-ukrainische Streit am Ende 18 europäische Länder.

Bei dem immer noch nicht gelösten Konflikt geht es um viel Geld: vor allem um die Höhe des Gaspreises für die Ukraine. Bisher zahlte sie für 1000 Kubikmeter knapp 180 Dollar. Russland forderte für das Jahr 2009 zunächst 250 Dollar. Als die Ukraine sich darauf nicht einließ, erhöhte Gasprom seine Forderung auf mehr als 400 Dollar; so viel zahlt der Westen für russisches Gas. Allerdings wird der flüchtige Stoff im Westen gerade billiger. Eine komplizierte Formel lässt dort den Gas- dem Ölpreis folgen – und der ist wegen der Wirtschaftskrise bereits drastisch gesunken. Experten erwarten für die zweite Jahreshälfte einen Gaspreis von nur noch etwa 180 Dollar.

Aufgeheizt wurde der Streit durch einen Disput über einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe, den die Ukraine Gasprom schuldet – und durch die ukrainische Forderung nach höheren Transitgebühren. Zwar ist das Transitabkommen noch bis Ende 2010 gültig; die Ukraine will sich aber nicht mit dem bisher von Gasprom gezahlten Preis begnügen. Er beläuft sich auf rund 1,70 Dollar für den Transport von 1000 Kubikmeter Gas über 100 Kilometer. Nach Auskunft des Berliner Ökonomen und Pipelineexperten Franz Hubert liegt das "im Bereich des Normalen".

Weil sämtliche Punkte strittig blieben, stoppte Gasprom am 1. Januar alle für die Ukraine bestimmten Gaslieferungen. Vom 7. Januar an ließ Gasprom auch die zum Transit gen Westen bestimmten Mengen versiegen. Begründung: Die Ukraine stehle Gas. Kiew bestreitet nicht einmal, Gas entnommen zu haben. Allerdings habe es sich nur um jene Mengen gehandelt, die zum Betrieb der Kompressorstationen und damit zum Transport des Gases in Richtung Westen benötigt würden. Nach ukrainischer Lesart muss Gasprom dieses "technische Gas" stellen, die Russen vertreten die gegenteilige Auffassung. vo