Urengoi, so heißt das russische Erdgas-Mekka. 4000 Kilometer liegen zwischen dem westsibirischen Gasfeld und der niederösterreichischen Kompressorstation Baumgarten. Sechs Tage braucht das Erdgas, bis es in Österreich eingetroffen ist. Rund 50 Prozent der heimischen Erdgasversorgung stammen aus Russland. Wenig im Vergleich zur Slowakei oder Bulgarien, die fast zur Gänze vom russischen Erdgas abhängig sind, meinen Experten. In Österreich wollte man deswegen auch nicht von einer Energiekrise sprechen, höchstens von einer Ausnahmesituation.

"In den nächsten Jahren wird sich die Abhängigkeit von russischem Erdgas in Österreich sicherlich erhöhen", prognostiziert Maziar Amiri, Russland-Analyst bei der Energieberatungsagentur JBC. "Wenn die Europäer eine sichere Versorgung wollen, müssen sie auf Iran zurückgreifen." Amiri spürt deutlichen Rückenwind für die unter Beteiligung der OMV geplante Pipeline Nabucco, über die aus Ländern wie Aserbaijdschan und Iran Gas nach Westeuropa transportiert werden soll. Reinhard Haas, Lektor für Energiewirtschaft an der TU Wien, erkennt in Nabucco hingegen keine wirkliche Alternative: "Wenn die Abhängigkeit von Russland nach Iran verlagert wird, weiß ich nicht, wie viel das an zusätzlicher Sicherheit bringen soll." Für ihn stellt sich nicht die Frage, ob Österreich von Russland unabhängiger, sondern ob es vom Erdgas generell weniger abhängig wird.

"Es wäre ein erster Ansatz, das Fernwärmenetz auf derzeit gasversorgte Gebiete zu erweitern." Zudem sollte Wärme aus bereits existierenden Biomassekraftwerken auch an umliegende Haushalte geliefert werden, die gegenwärtig noch mit Gas beheizt sind. Langfristig gesehen, müsste Österreich die Gebäudesanierung forcieren, um so Energie zu sparen, doch bisher sei der Bund laut Haas dafür noch "zu zaghaft" gewesen. Lieber verlässt man sich auf Urengoi. S.K.