Natürlich wäre es anstößig, wenn der frühere Postchef Klaus Zumwinkel für die von ihm begangene und längst eingestandene Steuerhinterziehung nicht hinter Gitter käme. Schließlich hat der Topmanager, dem 2001 das Große Bundesverdienstkreuz und 2007 der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen wurden, den deutschen Staat kaltblütig um Millionen geprellt.

Ein solches Vergehen muss geahndet werden, schon weil auf diese Weise andere Einkommensmillionäre wirkungsvoll abgeschreckt und zur Steuerehrlichkeit erzogen werden können. Steuerhinterziehung ist Diebstahl zulasten der ehrlichen Bürger. Sie sollte nicht milder beurteilt werden als Eigentumsdelikte. Eine Freiheitsstrafe in einer Höhe, die nicht vollständig zur Bewährung ausgesetzt wird, wäre in einem Fall wie dem Zumwinkels wohl angemessen.

Doch dazu wird es allem Anschein nach nicht kommen. An diesem Donnerstag beginnt der Strafprozess gegen Zumwinkel vor dem Bochumer Landgericht, und schon für den zweiten Verhandlungstermin am Montag wird das Urteil erwartet. Es steht zu befürchten, dass der Manager eine Freiheitsstrafe erhält, die nicht höher ist als zwei Jahre und zur Bewährung ausgesetzt wird, wie das angeblich schon zwischen Staatsanwaltschaft und Zumwinkels Anwälten ausgehandelt worden ist.

In Bochum haben sie schon ganz andere laufen lassen: einen Immobilienkaufmann aus Bad Homburg zum Beispiel, der sein Geld in Liechtenstein versteckt hatte und wegen der Hinterziehung von acht Millionen Euro an Steuern im vergangenen Sommer verurteilt wurde. Er bekam zwei Jahre auf Bewährung und eine hohe Geldstrafe. Der Mann ist jetzt ärmer, aber nicht unfrei. Eine gerechte Strafe war das nicht.

Gegen diesen Übeltäter ist Zumwinkel ein kleiner Fisch. Laut Anklage hat der Manager, der auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom vorsaß, allein in den Jahren 2002 bis 2006 Steuern in Höhe von 966.000 Euro für sich behalten. Dass er wegen der Hinterziehung im Jahr 2001 nicht angeklagt ist, verdankt er einer Justizpanne.

Es handelt sich um Kapitalerträge, die er in Liechtenstein erzielt hatte. Bei einer Bank bunkerte er über Jahrzehnte Geld aus dem Verkauf eines Familienunternehmens. Dazu gründete er 1986 (!) eine Stiftung, die zwar das Wort Devotion (zu Deutsch Hingabe) in ihrem Namen führte, aber den Zweck hatte, dass er von seinen Vermögensgewinnen dem Fiskus nichts abgeben musste. Er flog auf, nachdem der Bundesnachrichtendienst 2007 Daten kaufte, die ein Exmitarbeiter der LGT Bank heimlich kopiert hatte.

Für die Öffentlichkeit begann der Fall Zumwinkel am Morgen des 14. Februar 2008. Journalisten hatten von dem Plan einer Durchsuchung des Kölner Privathauses des Postchefs vorher erfahren. So konnten sie fotografieren und filmen, wie der Manager aus der Haustür zu einem Auto geführt wurde, in dem er dann zur Vernehmung nach Bochum gefahren wurde.