Der italienische Designer Walter Maria de’Silva, 57 Jahre alt, gilt in der Autobranche als Legende. Er hat erst die Marke Alfa Romeo neu gestaltet und anschließend das Erscheinungsbild der Audis ziemlich umgekrempelt. Der Mann scheut sich nicht vor Veränderungen. Seit zwei Jahren arbeitet er als Chefdesigner der VW-Gruppe, der neue Golf ist sein Baby. Was macht so einer mit einem Auto, das sich über 26 Millionen Mal verkauft hat? Mit einem Auto, mit dem sich jeder sehen lassen kann, ohne aufzufallen? Mit einem Auto, das mit seiner Klassenlosigkeit so erfolgreich ist, dass es eine eigene Klasse begründet hat, die Golf-Klasse?

Auf den ersten Blick sieht der Laie: nichts. Auf den zweiten Blick: immer noch nicht viel. Ich hole mir Fotos vom Vorgängermodell aus dem Internet, stelle mich wieder vor den Testwagen, und erst jetzt entdecke ich Veränderungen. Von hinten wirkt der neue Golf nicht mehr so wuchtig. Die Fenster sitzen etwas tiefer, dadurch erscheint das Heck niedriger.

Dann der Einstieg ins Innere: kein Schnickschnack, viel Raum, etwas Chrom in der Ausstattung, aber nicht zu viel. Das Armaturenbrett ist weiß beleuchtet und damit leicht zu lesen. Man findet sich sofort zurecht, stellt den Motor an und erlebt die erste echte Überraschung: Man hört ihn nicht. Aber er ist an, also los, raus auf die Straße. Der Motor wird nicht wesentlich lauter, auch nicht beim Gasgeben (später erfahre ich, das liegt an einer insgesamt verbesserten Isolierung und an Akustikscheiben, die in jeden neuen Golf eingebaut sind). Diese Stille – herrlich. So kommt es, dass die sichtbarste Revolution in diesem Auto vom Navigationsgerät ausgeht. Es hat einen Touchscreen, ist leicht zu bedienen, eine kleine Hommage an Apples iPhone.

Was also hat de’Silva mit dem neuen Golf gemacht, dem sechsten Modell seit der Premiere 1974? Er hat einiges verändert, ohne den Charakter des Objekts zu beschädigen. Der Golf im Golf ist nicht verschwunden. Ihn zu fahren löst eine Art Heimatgefühl aus: Man kennt sich sofort wieder aus und freut sich darüber, und ein paar Details sind schöner geworden. Der neue Golf ist also eleganter geworden, aber nicht chichi.

Dem ZEITmagazin hat sein Designer de’Silva im vergangenen Jahr gestanden, sein großer Traum sei es, einmal Damenschuhe zu entwickeln, sie seien ja auch ein Fortbewegungsmittel. Die Damenwelt müsste sich vor seinen Entwürfen nicht fürchten.

Technische Daten: Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 118 kW (160 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
CO²-Emission: 145 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,3 Liter
Basispreis: 23.875 Euro