Und noch eine Erfolgsmeldung von der ETH Zürich: Letztes Jahr wurden an der Hochschule 23 Spinoff-Firmen gegründet – so viele wie nie zuvor. Eine Studie hat zudem gezeigt, dass von den ETH-Spinoffs mittelfristig fast neunzig Prozent überleben, während etwa Spitzenhochschulen in den USA und England nur auf achtzig Prozent kommen. Gewöhnliche Schweizer Jungfirmen haben gar nur eine Überlebensrate von fünfzig Prozent. Der Erfolg überrascht umso mehr, als die ETH alles, was nach Wirtschaft riecht, jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt hat. So wurde die geniale Programmiersprache Pascal von Niklaus Wirth lange allen zum Selbstkostenpreis abgegeben, schließlich machte ein Amerikaner damit Geld.

Offensichtlich zahlt sich nun aus, dass die ETH die Vermarktung ihrer Erfindungen seit einigen Jahren gezielt fördert. »Die ETH hat uns von Anfang an professionell unterstützt«, sagt die 26-jährige Patrizia Fischer. Sie hat Biomedizinaltechnik studiert und ist jetzt vollamtlicher CEO der 2008 gegründeten Firma Pearltec AG, die in einem ETH-Gebäude auf dem Hönggerberg residiert.

Das Produkt von Pearltec ist bestechend einfach. Der Doktorand Thomas Müller, einer der Firmengründer, hatte bei Arbeiten mit dem Computertomografen bemerkt, dass es an einer Einrichtung fehlt, den Patienten während der Aufnahme stillzuhalten. Es genügt ein leichtes Zittern, und das Bild ist unbrauchbar. Fischer hat dann im Rahmen ihrer Bachelorarbeit 2006 das Ei des Kolumbus gefunden: eine mit Styroporkügelchen gefüllte Kunststoffhülle, die man etwa am Knie befestigen kann. Durch Aufpumpen wird die Hülle so fixiert, dass der Körperteil keine unwillkürlichen Bewegungen mehr machen kann. Diese Verpackung fühlt sich zudem sehr angenehm an, weil sich das Styropor an die Körperform anpasst wie ein gutes Kissen an den Kopf.

Eine klinische Pilotstudie hat inzwischen ergeben, dass die Erfindung die Aufnahmequalität bei bildgebenden Verfahren signifikant verbessert. Und auch die Fachwelt ist interessiert. »Das Echo von Ärzten und Krankenschwestern ist sehr positiv«, sagt Fischer. Zudem seien auch die Aussichten gut: »Die Geräte haben eine immer höhere Auflösung. Damit wird auch das Problem der störenden Bewegungen während der Aufnahme immer größer.«

Doch Pearltec hat das Heu noch nicht im Trockenen. Schon nächstes Jahr will man erste Produkte auf dem Markt haben, muss vorher aber noch einen Investor finden, was in diesen Zeiten nicht ganz leicht ist. »Vielfach fehlt den jungen KMU der lange Atem, um die Phase vom Prototyp bis zu einem marktreifen Produkt zu überstehen«, sagte ETH-Präsident Eichler kürzlich. Patrizia Fischer sagt bloß: »Wir schaffen das. Wissen Sie, ich bin schon einmal einen Marathon einfach mit dem Kopf durchgerannt.« Mathias Plüss