"Hast du den größten Preisabschlag aller Zeiten unter die Lupe genommen?", fragte Peti, als die rote Charlotte mit einer prall gefüllten Coop-Tasche aus dem Abendverkauf in den Sternen kam. "Viel habe ich davon nicht gemerkt", erwiderte sie und setzte sich. "Es haben auch nur die ungesunden Sachen abgeschlagen", gab Chäschpi zu bedenken. – "Oha! Bist du unter die Chörnlipicker gegangen?" Nicht eben dezent deutete Peti auf Chäschpis Schwimmring.

Der Elektriker selbst nannte zwar nur das Sixpack im Kühlschrank sein Eigen. Er fand aber, Chäschpi solle sich nicht als Gesundheitsapostel aufspielen. Doch der dachte nicht daran: "Nein, nein, das ist nur mein Reflex als Lehrer. Auf den Anzeigen habe ich lauter Zuckerzeug gesehen, das billiger wird. Und so wie meine Schüler zu Hause mit Schleckwaren vollgestopft werden, wundert mich nicht mehr, dass sie hyperaktiv sind. Die leben ja von einem Zuckerflash zum nächsten." – "Bei uns gibt’s das nicht", fühlte sich Peti bemüßigt zu sagen. – "Deine Frau ist auch eine gute Köchin", schwärmte Chäschpi – als sei er mit einer Mikrowelle verheiratet.

"Deine ist auch nicht ohne", meinte Peti, als er ein ängstliches Flackern in den Augen seines Freundes bemerkte. Dabei graute Chäschpi bloß vor dem Tag, an dem er von seiner besseren Hälfte auf Diät gesetzt würde. "Ich kann auch gut kochen", wollte Charlotte festgehalten haben. Chäschpi hatte die Röstibeutel in ihrer Tasche gesehen, ignorierte sie aber. "Hast du gelesen", wandte er sich an Peti, "laut McKinsey können wir in der Schweiz ohne Verzichte 43 Prozent CO₂ sparen!" "Alles blabla. Dazu müssten wir alle neue Pneu kaufen. Nimmt mich ja wunder, wie viel CO₂ das verursachen würde. Und außerdem: Wer verdient denn daran, hä?"

"Das habe ich mich auch gefragt", schlug Charlotte einen gedanklichen Salto mortale, "wenn sie die Preise dermaßen senken." – "Immer noch genug", beschied ihr Chäschpi eine Spur zu barsch, und Peti sekundierte: "Das beweist doch nur, dass wir jahrelang verarscht wurden. Wenn sie gewollt hätten, hätten sie die Preise schon viel früher senken können." – "Wisst ihr, was euer Problem ist? Ihr lest zu viel Zeitung", sagte Charlotte, "ihr findet alles schlecht." – "Außer meiner Frau", gab der Lehrer ume.

Franz, der bisher hinter seinem leeren Glas Citro gedöst hatte, schreckte auf. "Ich ha kei Frau", sagte er, entrüstet, unter einem so unsinnigen Verdacht zu stehen. "Nei, aber Diabetes, wenn du weiter so viel Citro säufst", blieb Chäschpi ungnädig, "du kippst ja schon weg." – "Chabis, nume es pelzigs Muul", kam es verlegen vom rekonvaleszenten Schreiner, der am Nachmittag gegen den Bewegungsmangel auf den Hausberg gewandert war. Peti schaute Chäschpi an: "Du, hat der jetzt ein Zuckerloch, oder ist er schon auf Ritalin?" Silvano Cerutti