Wenn sich eine Fernsehserie den Titel Extras (auf Deutsch: "Komparsen") gibt, könnte man meinen, es handle sich um die heroische kleine Welt der geduldigen Statisten und unentdeckten Talente. Andy und Maggie, die Hauptfiguren der je 29-minütigen Episoden, sind aber alles andere als Sympathieträger. Im Wesentlichen ist Andy damit beschäftigt, aufs Gemeinste über Kollegen zu lästern, während Maggie versucht, jeweils einen dieser Kollegen ins Bett zu ziehen. Der Reiz und die Komik von Extras liegen unter anderem darin, dass die beiden ihre persönlichen Projekte völlig ungerührt von den Naziuniformen, Priester-, Nonnen-, Kriegsflüchtlings- und Kutscherkostümen verfolgen, in denen sie jeweils zu sehen sind. Dabei geht es in Extras wie in allen guten Serien um menschliche Abgründe und Eitelkeiten, erbitterte Konkurrenzkämpfe und moralische Fettnäpfchen, kurz: um die comédie humaine.

Erfinder, Autor und Hauptdarsteller von Extras ist der Brite Ricky Gervais, der sich bereits die von Bürogemetzeln erzählende Comedy The Office für die BBC ausdachte. Sie wurde mit Emmys und Golden Globes ausgezeichnet und war unter anderem Vorbild für die deutsche Erfolgsserie Stromberg. Schon in The Office spielte Gervais eine kleine Nummer mit übergroßen Ambitionen – einen Bürovorsteher, der seine Führungs- und Unterhaltungsqualitäten mit slapstickhafter Maßlosigkeit überschätzt. In Extras hält er sich nun für einen verkannten Jahrhundertschauspieler, der als Komparse verbissen um die kleine Sprechrolle kämpft, die endlich sein Talent beweisen soll. Dafür geht er quasi über Leichen. Etwa wenn er den traumatisierten Autor eines Kriegsdramas am Set in dessen Wahnwagen aufsucht und über die Fotos der erschossenen Verwandten hinweg um seine Dialogzeile bittet.

Wenn man will, lässt sich Extras als bitterböse Satire auf die Durchsetzungsideologie der Aufsteigergesellschaft lesen. Hier erscheint der Statist als moderner Sisyphos, der immer wieder den Aufstieg probiert, um doch wieder von vorn anzufangen. Das Schöne ist der Einfallsreichtum, mit dem Gervais seinen knubbeligen Helden stets aufs neue scheitern lässt. Meistens demontiert sich Andy selbst, durch Schleimerei, latenten und offenen Rassismus oder einfach durch himmelschreiende Ungeschicklichkeit. Man kann gar nicht so schnell sehen und hören, wie er das Geschlechtsteil des Gaststars Samuel L. Jackson mit einer emsig die Regenrinne hochkriechenden Ratte vergleicht und damit die nächste Chance auf einen Miniauftritt zunichte macht. Die einen wollen nach oben. Und die, die oben sind, werden nach unten befördert. In jeder Extras- Episode gibt es den Gastauftritt eines großen Stars, der sich selbst spielt und von der Serie lustvoll vorgeführt wird. Zum Beispiel Ben Stiller, der sich mit einem Kosovo-Film als Regisseur profilieren will, während Kate Winslet als Hauptdarstellerin eines Widerstandsdramas endlich hemmungslos ihren Hang zur Vulgarität ausleben darf. Wenn sie in Nonnentracht einer Kollegin Anleitungen zum Telefonsex gibt, offenbart sich die ganze Größe dieser wunderbar dreckigen, entblößenden, gnadenlosen Serie.