jazz

Es sind die Nuancen, in denen Marc Copland seinen eigenen Ton findet. Diese leicht dahingestreuten Intervalle, diese glasklaren Harmonien, in denen jeder Ton eine eigenständige Funktion hat, seine eigene Farbe, seine eigene Temperatur. Es sind die subtilen Wechsel des Zeitgefühls, dieses souveräne Dehnen und Stauchen, Beschleunigen und Verzögern der Takte, mit dem der Pianist seine Musik vorsichtig aus ihren Fugen löst, um ihre Einzelteile sorgfältig abzuklopfen, sie genau zu untersuchen.

Copland ist einer der großen Unbekannten des Jazz der Gegenwart: geboren 1948, zu mäßiger Prominenz gekommen als Altsaxofonist an der Seite von Chico Hamilton, bevor er sich für einige Jahre zurückzog, um Ende der achtziger Jahre als Pianist wieder aufzutauchen, der dem Bezugsrahmen von Song und Harmonie eine neue Bedeutung abringt. Night Whispers, Coplands neue CD, beschließt die Trilogie seiner New York Trio Recordings. In einer neuen Kombination von vertrauten Partnern, mit dem Schlagzeuger Bill Stewart und dem Bassisten Drew Gress, zelebriert er auf höchstem Niveau die Kunst des Klaviertrios: eine Kunst des Zuhörens und des Reagierens. Es ist, als hörte man in ihrem Zusammenspiel den gemeinsamen Atem, die Kongruenz der musikalischen Fantasie. In den feinen Verästelungen ihrer Improvisation, im Wechselspiel von Impuls und Reaktion, von komponiertem Rahmen und gemeinsam erspieltem Inhalt setzen sie die Musik unter Spannung, lösen die Bindekräfte des Überlieferten und geben jeder Note einen ganz neuen Sinn. Stefan Hentz

Marc Copland: New York Trio Recordings, Vol. 3: Night Whispers

Pirouet/Medien Vertrieb Heinzelmann

Foto: Konstantin Kern