Sie heißen offene Immobilienfonds, weil Sparer in diese Sorte Fonds laufend neues Geld stecken können und es normalerweise auch jederzeit wieder abziehen können. Doch seit Oktober machen schätzungsweise zwei Millionen deutsche Anleger die Erfahrung, dass sie an ihr Geld nicht mehr herankommen. Ein Dutzend Fondsgesellschaften hat die Auszahlungen gestoppt, Anleger können ihre Fondsanteile daher vorerst nicht mehr zurückgeben. Vermögen in Höhe von rund 34 Milliarden Euro sind eingefroren. Das schmerzt vor allem Ruheständler, die sich durch monatliche Auszahlungen aus dem Angesparten ihre Rente aufbessern.

Die als besonders sicher und wertstabil geltenden Immobilienfonds sind in den Strudel der Finanzkrise geraten, obwohl sie das Anlegergeld keineswegs in überteuerte Häuser bonitätsschwacher Eigenheimbesitzer in den USA gesteckt haben. Sie gerieten aber plötzlich unter Druck, nachdem institutionelle Anleger in großem Stil Geld abzogen, weil sie es brauchten, um an anderer Stelle Löcher zu stopfen. Immobilienfonds sind naturgemäß nicht sonderlich flüssig, sondern haben den größten Teil des von ihnen verwalteten Vermögens in Beton und Boden investiert. Diese Immobilien, überwiegend Bürohäuser und Einzelhandelsobjekte, können sie aber nur langsam zu Geld machen, und in der sich ausweitenden Wirtschaftskrise sind die Preise schlecht. Die Fonds dürfen in gewissem Umfang Kredite aufnehmen, aber auch das ist schwieriger und teurer geworden.

In diesen Tagen geben die geschlossenen Fonds bekannt, ob sie die Schließung nach der ersten im Gesetz vorgesehenen Phase von drei Monaten noch verlängern. Die Anleger von Credit Suisse Euroreal wissen schon seit voriger Woche, dass ihr Geld noch bis zu neun Monate festliegt. Abermals punkten konnten die Sparkassen und Volksbanken. Ihre Fondsfirmen Deka und Union halten die Rücknahmeschalter wie bisher offen, und wenn’s eng wird, können sie auf Mittel der hinter ihnen stehenden Finanzgruppen zurückgreifen.

Zum Glück sind die Anleger geschlossener Fonds nicht völlig hilflos. Sie können ihre Anteile zwar nicht mehr zurückgeben, aber weiterhin über die Börse an andere Anleger verkaufen. Die Kurse sind allerdings schlecht, sie liegen rund fünf Prozent unter dem, was die Fonds als theoretische Rücknahmepreise ausweisen. Damit ist dann die Rendite des vergangenen Jahres schnell weg. rüdiger jungbluth