Bei meinem schlimmsten Beinahe-Flugzeugabsturz war ich nicht dabei. Ich lag in Berlin im Bett, als mich der Klingelton einer eingehenden SMS weckte. Es war der 30. März 2008, genau 9 Uhr, 6 Minuten und 48 Sekunden. Ich sah auf das Display meines Handys. Meine Frau Yingxin schrieb mir, sie sei sicher in Peking gelandet, ich solle mir keine Sorgen mehr machen. Aber ging ihr Flug nicht von Peking nach Hongkong? Und warum hätte ich mir Sorgen machen sollen?

Dann fand ich im Speicher des Handys eine weitere SMS, die Yingxin vorher abgeschickt hatte. Hätte ich sie zuerst gelesen, ich wäre vor Angst gestorben. Der erste Satz lautete: »Mein Liebster. Das Flugzeug hatte eine kleine Explosion, es gibt Rauch, und es sieht so aus, dass wir schnell nach unten fliegen.« Es folgten private Dinge. Meine Frau nahm von mir Abschied.

Später erzählte mir Yingxin, was passiert war: Das Flugzeug war schon eine Weile in der Luft, als es einen lauten Knall gab. Durch das Fenster sah sie, wie starker Rauch aus dem linken Triebwerk kam. Sekunden später drang er in die Passagierkabine ein, und die Sauerstoffmasken fielen aus der Kabinendecke. Die Maschine kippte in den Sinkflug. Vom Flugpersonal gab es dazu kein Wort der Erklärung. Die Stewardessen, die gerade noch Getränke serviert hatten, setzten sich stumm in ihre Sitze und schnallten sich an. Die Passagiere waren sprachlos vor Angst. Einige weinten leise, Eltern pressten ihre Kinder an sich. Praktisch jeder an Bord hatte in diesem Moment mit seinem Leben abgeschlossen. Glücklicherweise gelang es dem Piloten dann doch, die Maschine mit nur einem Triebwerk nach Peking zurückzufliegen und dort sicher zu landen.

Die Fluggesellschaft gab am nächsten Tag eine Erklärung heraus, in der hieß, auf dem Flug KA 991 nach Hongkong habe es »technische Probleme« gegeben. Man bedaure »die Unannehmlichkeiten«. Als Entschädigung lag ein Scheck über 400 Hongkong-Dollar bei, etwas weniger als 40 Euro. Leider reichte diese Summe nicht einmal für eins der zehn Paar Schuhe, die Yingxin kaufte, um über den Schock hinwegzukommen. Ich bewundere sie immer noch dafür, dass sie die Nerven aufbrachte, mir in dieser Situation zu schreiben. Ich habe die beiden SMS bis heute nicht gelöscht. 

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