Im Sommer vor 17 Jahren war ich mit deutschen Naturschützern in Sibirien. Eine Delegation des Nationalparks Wattenmeer wollte eine Partnerschaft mit dem Taimyr-Schutzgebiet vorbereiten. Ich sollte darüber schreiben. Wir saßen im Hubschrauber und sprachen über die landestypischen Jagdausflüge. Es kursierte die Anekdote von dem Rentierfell, das eine sibirische Delegation dem schleswig-holsteinischen Umweltminister geschenkt hatte: Es hatte Einschusslöcher auf dem Rücken. Das Tier war aus der Luft erlegt worden; manche Jagdgesellschaft verließ den Hubschrauber offenbar gar nicht, sondern trieb die Herde im Tiefflug vor sich her und ballerte dann munter aus den Luken.

Wir sollten bloß einen Rundflug mit Picknick machen, ein paar Hundert Kilometer draußen in der menschenleeren Tundra. Der Laderaum des Hubschraubers hatte nur einen notdürftig befestigten Reservetank, ansonsten war er leer, bis auf zwei am Boden festgeschweißte Sitze im Heck. Vor dem Abflug kam einer der drei Piloten nach hinten und wickelte ein Tau um die beiden Sitze. Nur zur Sicherheit, sagte er. Neulich hätten da zwei Ornithologen draufgesessen, und dann habe sich unter ihrem Gewicht die Klappe geöffnet. Beim Start seien sie aus ein paar Meter Höhe auf den Permafrostboden geplumpst.

Wir waren ein Dutzend Leute im Laderaum, man gab uns Klappstühle wie beim Camping. Gerüttelt und geschüttelt, flogen wir Stunden über das Ockergrünviolett der Flechten und Moose. Zum Picknick gingen wir an einer Flussbiegung nieder, die vor uns vielleicht noch nie ein Mensch gesehen hatte. Es wurde Holz aufgeschichtet, der mitgebrachte Topf hervorgeholt, Gemüse geschnitten und Suppe gekocht. Später dann hoch die Tassen, Schampanskoje! Aus den Augenwinkeln beobachtete ich die Piloten: Tranken die wirklich nur Tee? Wenn nicht – ich hätte beim Rückflug keinen der drei ablösen können.

Musste ich auch nicht, denn als Geste der Gastfreundschaft wurde unser Anführer ans Steuer gebeten. Er konnte Russisch, kannte die Sitten und wusste beim Wodka mitzuhalten. Nun begann es zu regnen. Als wir abhoben, sahen wir hinten auf unseren Campingstühlen aus den Fenstern gar nichts mehr. Einen Hubschrauber zu fliegen ist nicht so einfach, dachte ich noch. Man braucht auch die Füße dafür. Hoffentlich trat unser Gastpilot nicht auf den Bordhund, der seine Runden vorne in der Kanzel drehte.

Es wurden dann, glaube ich, auch noch Lieder gesungen.

Was war Ihr haarsträubendstes Flugerlebnis? Schreiben Sie es auf und diskutieren Sie mit!