Wenn das Flughafenpersonal keine Angst mehr vor Terroristen hat, weiß man, dass man in einem Katastrophengebiet unterwegs ist. So war das im Januar 2005, im indonesischen Banda Aceh, wenige Tage nachdem ein Tsunami die Fischerstadt an der Nordspitze Sumatras buchstäblich ausgelöscht hatte.

Die bange und egoistische Frage für uns Berichterstatter lautete damals: Würde es wieder Flüge hinaus geben? Der kleine Provinzflughafen von Banda Aceh war das einzige Versorgungstor – und völlig überlastet. Passagiermaschinen durften nur starten, wenn die Luftbrücke einen Slot zuließ. Zusammen mit einem österreichischen Kollegen und Hunderten anderer Zivilisten wartete ich am Ende meiner Reportagereise stundenlang in einem chaotischen Terminal. Wir aßen Litschis, die größten und köstlichsten Litschis, die ich je gegessen habe. Andere Verpflegung gab es nicht. Dann, auf einmal, Rufe: "Garuda Airlines to Medan!" Tatsächlich. Es sollte nach Hause gehen. Wir griffen unsere Rucksäcke und rannten ohne Sicherheits-, ohne Passkontrolle direkt aufs Rollfeld. Eine Boeing wartete mit laufenden Triebwerken. Hinter ihr zog eine bedrohliche schwarzblaue Abenddämmerung auf. Man drängte uns zur Eile.

Wir ließen uns in die Sitze fallen, erschöpft, erleichtert. Ringsherum Helfer in Arbeitsuniformen, Journalisten, indonesische Regierungsbeamte. Es gab keine Begrüßung, keine Borddurchsage, keine Stewardessen. Nur einen Piloten, der sich beeilte, auf die Startbahn zu kommen. Kurz darauf waren wir in der Luft. Doch wenige Augenblicke später stieg auch die Anspannung.

Dieser Steigflug war nicht wie sonst. Er war ungewöhnlich steil, so steil, dass ich dachte, das Flugzeug müsste sich jeden Moment rückwärts überschlagen. Das Aufzuggefühl, das den Magen an die falsche Stelle presst, hielt an. 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten… Ein Blick aus dem Fenster machte uns den Grund für das Manöver klar. Ein gewaltiges Tropengewitter tobte neben und unter der Maschine. Offenbar versuchte der Pilot, über die anschwellende Wolkenfront zu gelangen. Und ich hatte das Gefühl, dass jeder in der Kabine fürchtete, die Boeing könnte diesem Vorhaben nicht gewachsen sein.

Außer dem Kreischen der Düsen war es vollkommen still. Irgendwann ging die Kabinenbeleuchtung aus. Blitze zuckten vor den Fensterscheiben und erhellten die violetten Wolkengebirge um uns herum. Ich dachte, nein, bitte, nicht jetzt. Nicht auf dem Heimweg. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ das Kreischen der Triebwerke nach, das Flugzeug neigte die Nase. In spitzem Winkel ging der Pilot jetzt in den Sinkflug. Als wir unter uns Stadtlichter erkannten, beruhigte sich der Herzschlag der Passagiere. Wir landeten.

Ich habe keine Erinnerung mehr daran, wie das Hotelzimmer aussah, in dem ich in jener Nacht schlief.

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