"Ein Mann", heißt es an einer berühmten Stelle in Lessings Nathan dem Weisen, "bleibt da / Nicht stehen, wo der Zufall der Geburt / Ihn hingeworfen: oder wenn er bleibt, / Bleibt er aus Einsicht, Gründen, Wahl des Bessern."

Damit ist ein Hauptunterschied zwischen bürgerlicher Gesellschaft und Monarchie benannt. Erstere beruht auf dem Prinzip der Leistung, der autonomen Selbstsetzung, Letztere ist dem Zufall unterworfen. Zufall insofern, als dass etwa ein Thronfolger sich nicht entschließt, Thronfolger zu werden. Er ist es aus genealogischer Folgerichtigkeit heraus, aus göttlich konnotierter Abstammungslinie. Ein Thronfolger bleibt Thronfolger, auch wenn er sich notorisch danebenbenimmt, ein Bundesminister kann schon durch seine unbedachte Wortwahl, eine kleine Entgleisung gestürzt werden.

Seit je gilt als Problem eines Königshauses, dass sich sein Personal nur bedingt, qua Heiratspolitik, aus strategischen Entschlüssen heraus rekrutieren kann. Ansonsten ist man darauf angewiesen, was da so heranwächst. Don Carlos, spanischer Infant im 16. Jahrhundert, soll Diener gezwungen haben, ein Paar Stiefel zu kochen und aufzuessen. Don Carlos galt als unausgeglichen und unfähig und wurde deshalb unschädlich gemacht (finsteres Gefängnis, Flutung seiner Zelle mit kaltem Wasser und so weiter).

Auch die britische Monarchie kennt das Problem unausgegorenen Nachwuchses. Der 24-jährige Prinz Harry, Nummer drei in der britischen Thronfolge, hat, wie gerade bekannt wurde, vor drei Jahren einen Kollegen seiner Militärakademie als "unseren kleinen Paki-Freund" bezeichnet – und das auch noch auf Video aufgezeichnet. Die Bezeichnung "Paki" wird in Großbritannien abwertend für Pakistaner verwendet und sorgte für entsprechende Missstimmung. Cannabiskonsum musste er bereits eingestehen, übermäßigen Alkoholgenuss, den Besuch einer Party im Nazikostüm. Man nennt ihn seither gar nicht unzutreffend "Dirty Harry".

Die strikten Konventionen monarchischer Etikette waren stets das Korrektiv für die Narrenfreiheit, die sich aus dem puren Zufall der Genealogie ergab. Das schützte sie nie vor wahnsinnigen Herrschern und unreifen Infanten, die man, notfalls mit Gewalt, aus Staatsräson ihres Machtanspruches berauben musste.

Nun ist es im Zeichen einer von der Öffentlichkeit halbwegs gut bewachten Rechtsstaatlichkeit schlechterdings nicht möglich, Dirty Harry auf althergebrachte Weise, nämlich mit Gift oder Kerkerhaft, zu entfernen. Man muss mit ihm leben. Das ist die Tragik der zur Schrumpfform degradierten, einst so glorreichen Monarchie, die ihren Reiz nur noch aus höhnischem Pressetratsch bezieht.