Die Kisten mit den schönsten Formulierungen sind verstaut, der Umzugswagen für die wichtigsten Satzbausteine wartet schon – es geht wieder zurück nach Berlin. 71 Tage lang, für die Zeit des hessischen Wahlkampfes, gastierte unsere kleine Kolumne in Wiesbaden. Weil dort, 450 Kilometer von unserer eigentlichen Schreibstätte entfernt, die Politik so bühnenreif präsentiert wurde, dass man nur aufschreiben musste, was passierte – und schon war man mittendrin im schönsten Theater. Bei allen Beteiligten möchten wir uns zum Abschied hierfür noch einmal herzlich bedanken. So leicht wird es uns Bühnenautoren selten gemacht.

Die Hessen können alles – außer Politik. Von dieser Erkenntnis haben wir lange gelebt, jetzt soll es auch mal gut sein. Zumal unsere Bühnenstars gerade den Abgang machen. Andrea Ypsilanti ist bereits hessische Geschichte, Thorsten Schäfer-Gümbel tritt aus dem Rampenlicht, um die Reste seiner Partei in feinster Puzzlearbeit neu zusammenzusetzen. Und Roland Koch hat einen solchen Desastersieg eingefahren, dass ihm nun schon jeder Ronald Pofalla auf Augenhöhe begegnen darf. Wo ist noch Spektakel, wenn ein Jörg-Uwe Hahn am hellsten strahlt?

Dass ein jemenitischer Offenbacher heute der beliebteste hessische Politiker ist, erscheint nur deshalb interessant, weil der Mann Tarek al-Wazir heißt und somit phonetisch sofort unter Terror- oder zumindest Ypsilanti-Verdacht steht. Dabei ist der Grüne so bieder-brav, so durch und durch deutsch, so vollintegriert, dass er auch, sagen wir mal, Dieter Wiefelspütz heißen könnte. Tarek al-Wiefelspütz kommt – und wir gehen. Peter Dausend