Zwingt die Finanzkrise ein großes europäisches Land in die Knie? Ausschließen kann das niemand mehr. Diese Woche hat eine Rating-Agentur die Bonitätsnote für Spanien verschlechtert. Ausgerechnet Spanien. Das Boomland, der haushaltspolitische Musterschüler.

Zum Teil haben sich die Spanier die Misere selbst zuzuschreiben: Sie lebten schon lange über ihre Verhältnisse. Der Immobilienmarkt lief heiß, die Löhne stiegen zu schnell, die Firmen verloren an Wettbewerbskraft. Aber auch die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre in den deutschen Unternehmen hat dazu beigetragen, dass der ausländischen Konkurrenz die Luft zum Atmen fehlt.

Die Probleme der Spanier sind denen der USA nicht unähnlich. Doch Spanien ist Mitglied einer Währungsunion. Das hat das Land vor einer Währungskrise bewahrt. Der Preis der Stabilität: Spanien kann nicht die Notenpresse anwerfen oder seine Währung abwerten, um aus dem Schlamassel zu kommen.

Bricht die Währungsunion nun auseinander? Eher nicht. Die Einführung einer Weichwährung wäre für die Spanier kostspielig. Die Wirtschaft würde an ihren Euro-Schulden ersticken, die Finanzmärkte würden höhere Zinsaufschläge fordern. Ein Staatsbankrott indes hätte enorme Verwerfungen zur Folge. Nichtstun wäre ökonomischer Selbstmord. So wie Banken too big to fail sind, so ist auch Spanien zu groß, um fallen gelassen zu werden. Geht das Land unter, risse dies deutsche Banken und Unternehmen mit in die Tiefe, vom Schaden für den Euro ganz zu schweigen.

Was muss geschehen? Die anderen Euroländer und die Europäische Zentralbank müssen im Ernstfall einspringen und mit Geld aushelfen. Langfristig müssen neue Regeln für die Währungsunion her. Es reicht nicht, nur den Staatsetat zu überwachen. Es muss verhindert werden, dass sich wirtschaftliche Ungleichgewichte zwischen Euroländern aufbauen. Der spanische Überkonsum und die deutsche Überproduktion sind zwei Seiten einer Medaille. Mark Schieritz