Und wieder steigt ein Milliardär groß ins Zeitungsgeschäft ein. Dieses Mal ist es Carlos Slim. Vor Beginn der Finanzkrise wurde sein Vermögen auf 60 Milliarden Dollar geschätzt. Zu Hause in Mexiko und in anderen lateinamerikanischen Staaten betreibt er große Mobilfunkfirmen. Ihm gehören Hotels, Halbleiterfabriken, Tabak- und Handelsfirmen. Nun erwirbt er für gerade einmal 250 Millionen Dollar Schuldscheine der berühmtesten Zeitung der Welt: der New York Times. Kann der Verlag nach Ablauf nicht zahlen, erhält Slim 11 Prozent der Aktien. 6,9 Prozent gehören ihm bereits. Die entscheidende Frage lautet hier: Ist es ökonomisch sinnvoll und im Sinne des Gemeinwohls, wenn branchenfremde Milliardäre jene Orte kontrollieren, an denen öffentliche Debatten stattfinden, wo sich Bürger umfassend informieren?

Die Erfahrung zeigt leider eindeutig: Die Investoren sind nicht Segen, sondern Fluch. Besonders eindrücklich ist das in Frankreich zu beobachten. Die Wirtschaftszeitung Les Echosgehört inzwischen dem Milliardär Bernard Arnault, der bestimmender Aktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH ist (Louis Vuitton, Moët et Chandon). Der Industrielle Serge Dassault kaufte sich Le Figaro, während der Investor Edouard de Rothschild "nur" einen Anteil an Libération erwarb, genauso wie der Rüstungs- und Medienunternehmer Arnaud Lagardère bei Le Monde. Mit den Milliardären haben die Zeitungen aber nicht etwa Stabilität gewonnen: Die Auflagen sinken. Und die Blätter können nicht mehr glaubwürdig – manchmal auch nicht frei – über Rüstungsgeschäfte berichten oder über Luxusgüter oder über enge Freunde des Besitzers, etwa den französischen Präsidenten.

Aus dem gleichen Grund droht auch der New York TimesSchaden: Mexiko ist einer der wichtigsten Handelspartner der USA und mit Blick auf Südamerika ein strategischer Bündnispartner. Überall dort werden Interessen von Carlos Slim berührt. Könnte also der Milliardär weitere Stammaktien erwerben, wäre die Zeitung bei einem wichtigen Thema keine über alle Zweifel erhabene Quelle mehr.

Bedeutsam sind solche Überlegungen für Deutschland, da auch viele hiesige Zeitungen finanziell angeschlagen sind. Auch hier werden Eigentümer gezwungen sein, potente Geldgeber zu suchen. Doch unter deutschen Milliardären? Bei den Quandts, Oetkers oder Schmidt-Ruthenbecks? Wer von ihnen könnte die Selbstdisziplin aufbringen, nie an den Hebeln der Medienmacht zu spielen?