Der Artikel von Anita Blasberg über die palästinensische und die israelische Mutter hat mir sehr gut gefallen. Er zeigt, wie verfahren die Lage ist, wie wenig die Menschen voneinander wissen und wie viel sie sich zu sagen hätten, um einander zu verstehen. Er zeigt auch, dass man nichts erreicht, wenn man nur Tote aufrechnet.

Leider wird die gute Darstellung zum Schluss vollkommen zerstört. Selten passiert eine so grausame Tat wie das Selbstmordattentat "einfach so", vor allem nicht in dieser Region mit ihrem seit 60 Jahren andauernden Konflikt und der 40-jährigen Besatzung. Genauso könnte man schreiben: Rula Ashtiya verlor ihr neugeborenes Baby, nachdem sie von israelischen Soldaten daran gehindert wurde, über den Checkpoint Beit Furik bei Nablus ins Krankenhaus zu gelangen. Sie gebar das Mädchen am Checkpoint hinter einem Zementblock – wenige Minuten später war es tot. Einfach so!

Franziska Piontek, Potsdam

Die Grenzen der deutschen Israel-Solidarität zu definieren wird nach dem barbarischen Bombardement auf die zusammengepferchten Menschen im Gaza-Streifen immer schwerer. Selbst ein so versierter Politiker wie Joschka Fischer windet sich um klare Aussagen herum.

Ist es denn wirklich eine ganz falsche Wahrnehmung des Nahostkonfliktes, wenn in diesen Tagen unter dem Eindruck der Missachtung der UN-Resolution zum Waffenstillstand und der weltweiten Proteste die Israelis als die Täter und die Palästinenser als die Opfer gesehen werden?

Wenn die Einsicht wächst, dass infolge des achtjährigen Vakuums durch die Regierung Bush Amerika nicht mehr als ehrlicher Makler in Nahost akzeptiert wird, fällt Europa eine besondere Verantwortung zu. Leider wird sie bisher nur sehr dilettantisch wahrgenommen. Vermittlung heißt in diesem Falle nämlich, mit allen Kombattanten eindringlich zu sprechen, also voreingenommene Parteilichkeit zu vermeiden.

Dr. Hermann Beck, Hof (Saale)