Der Unternehmer Merckle ist an den eigenen Unzulänglichkeiten gescheitert. Im Drang nach immer mehr Größe, nach immer mehr Macht wurden die Risiken eines Wachstums auf Pump ausgeblendet. Das kann passieren. Doch dann wirft er die Brocken hin, statt mit gleichem Einsatz (bei reduzierter Machtfülle) die mögliche Sanierung zu unterstützen. Und das ist eine Frage des Charakters, nicht der Ehre. Die definiert sich ohnehin jeder nach Gusto. Soldaten durften/dürfen sterben für die Ehre des Vaterlands. Die Ehre eines Exkanzlers verbietet ihm, die Namen der illegalen Parteispender zu nennen.

Dass es um das Ansehen der Unternehmer in Deutschland nicht so gut bestellt ist, mag nicht immer an diesen liegen. Aber dass diese "soziale Randgruppe" in Deutschland niemals den Ton angab, ist doch sehr untertrieben. Die Krupps und Haniels und Flicks haben eine breite (und oftmals verhängnisvolle) Spur des Einflusses vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis ins "Dritte Reich" hinterlassen. Und die Einflüsse von BDI, Arbeitgeber- und Bankenverband auf Gesetze und Politik in der Bundesrepublik sind doch erheblich. Für eine Randgruppe zumindest äußerst effizient.

Dietrich Briese, Bobenheim am Berg

Ich kann Ihrer Wertung nur bedingt folgen. Wenn ich auch mit Freude gelesen habe, dass Herr Merckle eine andere Personalpolitik betrieb, frage ich mich doch, wo ist der Einfluss dieser moderateren Unternehmer auf ihre Verbände? Unserer Gesellschaft ist es auch in der sozialen Marktwirtschaft nicht wirklich gelungen, den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital so zu gestalten, dass beide Seiten zufrieden sein könnten. Zu sehr hat sich in Krisen immer die Kapitalseite durchgesetzt, sodass bei vielen Arbeitnehmern der Eindruck von Benachteiligung entstand. Dazu hat das Verhalten von Managern der Großkonzerne und Großbanken mit ihrer Verantwortungslosigkeit und Gier erheblich beigetragen. Ein trauriger Höhepunkt zeigte sich exemplarisch am Auftreten dreier Autobosse vor dem amerikanischen Kongress. Die Diskrepanz zwischen Unternehmerhandeln und der Forderung des Grundgesetzes nach sozialer Verantwortung des Eigentums hat wesentlich zum schlechten Ruf der Unternehmer beigetragen.

Herr Merckle sah offenbar seine Arbeitnehmer auch als Menschen. Umso mehr bedauere ich seinen Freitod und wünsche ihm Gottes Segen.

Jürgen Raßau, Lahnstein

Ehre und Ehrenwort haben nach Barschel und Kohl für eine Demokratin wie mich einen schlechten Beigeschmack. Nun bringen Sie ausgerechnet den Freitod von Adolf Merckle mit dem Begriff der Ehre in Verbindung.