Roland Kochs Mitstreiter verwenden ein Zitat aus dem Boxsport, wenn sie in diesen Tagen die knappe Wiederwahl ihres Chefs bewerten: They never come back – Sie kommen nie zurück. Der Satz stammt vom amerikanischen Schwergewichtler Floyd Patterson, wird auch von Ex-Kanzler Gerhard Schröder häufig zitiert und soll dem Zuhörer sagen, dass Comebacks in der Politik eigentlich genauso schwierig sind wie beim Boxen.

Kochs Helfer wollen deutlich machen, dass das hessische CDU-Ergebnis zwar nicht gut sei, die eigentliche Leistung des Ministerpräsidenten aber darin liege, überhaupt im Amt zu bleiben. Und Schröder will erklären, warum er in der Wirtschaft bleibt. Er erzählt gern vom deutschen Boxer Axel Schulz, der beim ersten Rückkehrversuch tatsächlich kräftig verdroschen wurde.

Trotzdem stimmt der Satz für die deutsche Politik schon längst nicht mehr. Schröder selbst hat als Kanzler zwei gescheiterten Ministerpräsidenten, Hans Eichel und Wolfgang Clement, wichtige Posten in seinem Kabinett angeboten. Mit dem Beginn der Großen Koalition wurde der nordrhein-westfälische Wahlverlierer Peer Steinbrück Finanzminister.

Und seitdem folgte eine Reihe politischer Comebacks: Franz Müntefering ist zum zweiten Mal SPD-Chef, Cem Özdemir war nach einer Affäre wegen privat genutzter Bonusmeilen fast vergessen und ist seit Kurzem Bundesvorsitzender der Grünen. Der grüne Bürgerrechtler Werner Schulz will nach vier Jahren jenseits der Bundespolitik zurück ins Parlament. Am meisten Erfahrung mit Comebacks hat die Linkspartei: Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Lothar Bisky haben sich, teilweise mehrfach, erst von der Macht verabschiedet und dann wieder zugegriffen.

So unterschiedlich die Fälle sind, so interessant sind die Gemeinsamkeiten.

Zu den Ursachen für die verschiedenen Neustarts gehört der Mangel an politischem Personal, über den Landes- und Kommunalpolitiker seit Langem klagen. Hätte Franz Müntefering einen strahlenderen Nachfolger gehabt als Kurt Beck, so wäre er heute vermutlich nicht erneut Parteivorsitzender. Auch Horst Seehofer siegte beim zweiten Anlauf auf das Amt des CSU-Vorsitzenden nicht, weil er nach dem ersten Versuch ein besserer Politiker geworden wäre, sondern weil die Konkurrenz verschlissen war.

Möglicherweise trägt auch die steigende Politikverdrossenheit dazu bei, dass eine Rückkehr in Spitzenämter einfacher wird: Ein Abschied auf Zeit gilt manchem Wähler heute weniger als Zeichen von Unbeständigkeit denn als Beweis dafür, dass man nicht an Posten hängt. Zumindest Lafontaine gelingt es, sich mit solchen Gedanken zu profilieren. Inhalte seien ihm nun einmal wichtiger als Ämter, das habe er ja bewiesen, sagt er über seinen Rückzug aus dem rot-grünen Kabinett und vom SPD-Vorsitz im Jahr 1999. Je mehr Wähler Politiker für machtversessen halten, desto besser kommen solche Sätze vermutlich an.