Wenn der französische Präsident vom Kapitalismus spricht, kommt er in Fahrt. Von "unserem Kapitalismus" spricht Nicolas Sarkozy dann und dass einige Bösewichte im Finanzwesen dessen Werte "verraten" hätten. Manchmal sagt er auch, dass der Kapitalismus schleunigst umgegründet werden müsse. Sonst könnten solche Zerstörer noch mehr Schaden anrichten.

Man konnte ähnliche Töne auf einer Konferenz vernehmen, die vor zwei Wochen in Paris stattfand und wo sich außer Sarkozy auch Angela Merkel, Tony Blair und ein Aufgebot weltweit bekannter Politik- und Wirtschaftsforscher eingefunden hatten. Da sprach zum Beispiel der französische Wirtschaftsforscher Jean-Paul Fitoussi davon, dass in einer Demokratie das Eigentum in den Augen der Nichteigentümer immer wieder politisch legitimiert werden müsse. Dass man über die Begrenzung der Ungleichheit nachdenken müsse. Allgemeines Nicken prominenter Köpfe. Organisiert hatte die Konferenz der einstige Chefökonom der Sozialistischen Partei, Eric Besson, mittlerweile Minister.

Um die Zukunft des Kapitalismus sollte es bei der Pariser Konferenz vor allem gehen, doch führte sie ganz besonders vor Augen, wie Sarkozy auf die Wirtschaft schaut. "Sarkonomics" sind flexibel, bündnisfähig und keiner Theorie verpflichtet, sondern der Fortdauer einer Wirtschaftsordnung. Seiner Wirtschaftsordnung. "Unseres Kapitalismus", der übrigens einigen seiner engsten Freunde und Verwandten Milliardenvermögen verleiht.

Doch was denkt der Mann? Sarkozy ist ein Mann der Einfälle. Weniger der Ideen. Nicht dass seine Reden ideenarm wären. Seine Redenschreiber leben sogar in mehreren, recht disparaten Gedankenwelten. Wer gerade Gehör findet beim Meister, hängt von der Situation ab. Sarkozy scheint in jedem Moment überzeugt von dem zu sein, was er gerade sagt, mag es auch heute liberal und morgen staatsverliebt klingen, gern auch linkspopulistisch, rechtspopulistisch oder wie aus dem Munde eines Unternehmenssprechers.

Und dennoch, es gibt ein sarkozystisches Wirtschaftsprojekt.

Nicolas Sarkozy hatte es im Präsidentschaftswahlkampf 2007 formuliert: Die Franzosen müssten wagemutiger werden. Sie könnten es sich nicht länger leisten, sich als Beamte, Unternehmer, Arbeiter oder Arbeitslose auf erworbenen Rechten auszuruhen. Sie dürften nicht mehr darauf vertrauen, der Staat werde schon alles richten. Der müsse vielmehr seine Schulden loswerden. Die Wirtschaftskonkurrenz müsse freier werden, die Lebensarbeitszeit länger, außerdem sei der Sozialstaat nach deutschem Vorbild umzubauen. Riskant!