Seine Karriere in der Aufbruchszeit der technischen Zivilisation trat er mit mäßigen Schulnoten an. Herausragende Leistungen zeigte der Sohn eines wohlhabenden Gastwirtes, überzeugten Demokraten und Freimaurers nur im Speerwerfen und im Blasrohrschießen. Hätte nicht ein reformfreudiger Lehrer sein Interesse für Physik und Technik geweckt, wäre er nach eigenen Worten wohl Biologielehrer geworden. Als er nach der 7. Klasse von der Schule abging, stand für ihn fest, wo er seine noch schlummernden Talente erproben wollte: in der aufblühenden "Klein-Mechanik". Der junge Mann lernte sein Handwerk von der Pike auf, wanderte von Firma zu Firma und sammelte Wissen über Motoren und elektrische Apparate. Als Gasthörer an einer Polytechnischen Hochschule lernte er kaum dazu, dafür beeindruckte ihn ein sonderbarer Missionar, der die Menschheit beglücken wollte mit seiner Duft- und Reinwoll-Lehre. Fortan trug er Kleidung aus Schafwolle, und in seinen Fabriken achtete er später auf gute Lüftung.

Angezogen vom Ruhm eines Erfinders, wagte er den Sprung über den Ozean. Im Umkreis des Genies erreichte er mehr, als er mit dem für ihn typischen Understatement zugab. Er attestierte sich allenfalls "mittelmäßige Leistungen" in seinem Beruf, den er nur als "Broterwerb" sah. Im gelobten Land arbeitslos geworden, schloss er sich einem Arbeiterverband mit freimaurerischen Riten an. Seiner Verlobten gegenüber bekannte er sich als "Sozialist" und pries ein Gesellschaftsmodell, in dem der Unterschied zwischen Arm und Reich ebenso abgeschafft sein würde wie das Geld als "aufspeicherbares Kapital".

Nach seiner Rückkehr in die Heimat wagte er sich in die Selbstständigkeit. Wo heute ein renommierter Verlag seinen Sitz hat, richtete er eine Werkstätte ein und reparierte elektrische Anlagen und Haustelegrafen. Die ersten Jahre, in denen er mit dem Fahrrad zu seinen Kunden fuhr, waren in seinen Worten ein "ziemliches Würgen und sich Durchwinden". Dann aber ging es schnell und steil aufwärts. Mit einem kleinen Maschinenteil, von ihm und seinen Leuten weiterentwickelt, schaffte er den Durchbruch. Er setzte zur richtigen Zeit auf die richtige Technik, bewies ein untrügliches Gefühl für das technisch Machbare und band geschickt erfinderische Mitarbeiter an sich. In nur einem Jahrzehnt verwandelte er die Werkstatt im Hinterhof in ein stattliches und stetig expandierendes Unternehmen. Noch als erfolgreicher Industrieller glich er einem rauschebärtigen Wanderprediger, er pflegte Umgang mit linken Sozialdemokraten, Familienmitglieder und Gäste zermürbte der passionierte Jäger bis ins hohe Alter auf strapaziösen Bergwanderungen.

Der Diktatur entzog er sich, so gut er konnte, er unterstützte Verfolgte, beugte sich aber dem Druck und beschäftigte Zwangsarbeiter. Er verabscheute das Regime – wie aus Rache richtete dieses jedoch nach seinem Tod einen pompösen Staatsakt für ihn aus.

Wer war's?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 4:
Peter Weiss (1916–1982) wuchs in Bremen und Berlin auf und emigrierte 1940 nach Stockholm. Er heiratete die Bühnenbildnerin Gunilla Palmstierna, 1972 kam ihre Tochter Nadja zur Welt. Weiss galt in den sechziger Jahren als Erneuerer des politischen Theaters. Er starb zwei Jahre nach Beendigung seiner Roman-Trilogie "Die Ästhetik des Widerstands"