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Unangenehme Erscheinungen wie Weltwirtschafts krisen haben den angenehmen Nebeneffekt, dass man darüber nachdenkt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Zum Beispiel bei einer Uhr. Es gab Zeiten, da war es noch kein Verkaufsargument, dass man am Handgelenk Schleppsekunde, Großdatum, Coaxialhemmungen und Tourbillone mit sich herumtragen konnte. Damals kam es darauf an, dass die Uhr einigermaßen zuverlässig die Zeit anzeigen konnte – und nicht kaputtging. Die Uhren bekam Macken, Sprünge, Kratzer. Bis 1962 der Schweizer Uhrenhersteller Rado das erste Modell auf den Markt brachte, das dank einer Titan- und Wolframkarbid-Pulverbeschichtung eine superharte und kratzfeste Oberfläche hatte. Wenig später überschwemmten japanische Quarzuhren den Markt, und noch ein wenig später wurde die Uhr zum Wegwerfartikel. Bevor sie zerkratzen konnte, war die Batterie alle. Irgendwann hatten die Menschen genug vom Uhrenwegwerfen und entdeckten die Uhr als Statusobjekt wieder. Fortan wurden Uhrwerke in Gold und Platin eingehaust. Und die Uhren zerkratzten nicht mehr, weil sie den Tresor selten verließen.

Nun sind plötzlich wieder Uhren begehrt, die aus anderen Materialien gefertigt sind als Stahl, Gold und Platin. So brachte die Firma Hublot die Uhr "Big Bang" auf den Markt, in der unter anderem Kevlar, Karbon, Titan, Tantal und Magnesium verbaut sind. Diese Uhren bestechen nicht mehr durch den Wert ihrer Materialien, sondern durch deren Eigenschaften. Extrem hart, extrem robust und dabei leicht und geschmeidig. So wären ihre Träger nämlich auch gern. Ein bisschen ist es wie bei Urvölkern, die die Herzen ihrer Feinde aßen, weil sie dachten, deren Stärke würde sich auf sie übertragen. In Zeiten wie diesen ist das vielleicht die richtige Einstellung.

Am konsequentesten verfolgt man diese Entwicklung übrigens bei Rado. Kürzlich wurde eine Neuauflage des Modells V10K vorgestellt. Die Uhr ist komplett aus Keramik, und ihre Beschichtung ist mit einem Härtegrad von 10000 Vickers so hart wie ein natürlicher Diamant. Das Gehäuse besteht aus Keramik und verspricht besten Tragekomfort. Sie würde nicht mal bei einem Atombombeneinschlag kaputtgehen. Man weiß ja nicht, was die Krise noch so bringt.

Keramikuhren

Tillmann Prüfer fragt: Welche Uhr passt zur Wirtschaftskrise?

Sieht so die Armbanduhr zur Krise aus? Konzeptuhr Rado V10K aus

diamantenbeschichteter Keramik, Preis auf Anfrage

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Foto ––– Peter Langer ZEIT magazin