Mein Vater starb vor fünf Jahren – und drei Jahre später hatte ich einen merkwürdigen Traum. Er entsprach nicht dem, was ich normalerweise träume: wie ich oben am Absatz der Treppe stehe und glücklich hinunterschwebe. Oder wie ich meine Prüfungen an der Universität bestehen muss, obwohl mir selbst im Traum einfällt, Moment mal, ich habe meinen Abschluss doch längst. Nein, der Traum war ein Wendepunkt.

Er beginnt weit draußen in der Prärie, auf der Farm meiner Großeltern. Ich stehe unter einem riesigen Himmel, der Abend dämmert, weit weg sehe ich ein kleines weißes Haus, dort wohnen meine Großeltern.

An meiner Seite spüre ich plötzlich die Gegenwart meines Vaters. Ich sehe ihn nicht an, aber ich weiß, er ist da. Aus den Augenwinkeln nehme ich ihn als grauen Schatten wahr. Wir sehen beide zum Horizont – und auf einmal gibt es drei ohrenbetäubende Explosionen. Bumm-bumm-bumm. Der Himmel ist mit Rauch erfüllt. Und dann höre ich die Stimme meines Großvaters hinter mir. Er sagt: Beben. Plötzlich werden wir von einer unbekannten Macht in das Haus meiner Großeltern zurückgeworfen. Wir stehen auf dem Dachboden, mein Vater neben mir, mein Großvater weiter hinter uns. Das Dach beginnt einzustürzen. Wieder höre ich meinen Großvater. Er sagt: Erdbeben. Das ganze Haus stürzt zusammen – und ich wache auf.

Meiner Meinung nach skizzierte der Traum den Weg unserer drei Generationen. Er kam mir wie ein Übergangsritus vor. Die Explosionen standen für große Tragödien in unseren Leben. Meine Großeltern wurden durch die Depression ruiniert – das hat sie lebenslang begleitet. Mein Vater nahm im Zweiten Weltkrieg an Schlachten im Pazifik teil, er hat sich davon nie richtig erholt. Und meine Explosion symbolisierte den 11. September in New York, der für meine Generation ein Schock war – besonders wenn man wie ich in New York lebt.

Mehrere emotionale Stoffe verbinden sich in diesem Traum auf sehr ökonomische Weise. Beispielsweise das Beben im Traum, es spielt mit realen Ereignissen in meinem Leben. Im Krieg erlitt mein Vater ein Trauma, danach konnte er oft seine Hände nicht still halten, er zitterte ständig. In gewisser Weise hat er das Verhalten auf mich übertragen. Immer wenn ich eine Rede hielt, begann mein Körper automatisch zu zittern.

Nur einmal setzte der Automatismus aus. Ich wurde gebeten, für meinen Vater eine kleine Rede zu halten. Die Universität, an der er gelehrt hatte, wollte einen Baum zu seinen Ehren pflanzen. Ich sprach ein paar Worte, aber ich spürte rein gar nichts – keine Nervosität, keine Angst. Es war, als würde ich mich außerhalb meines Körpers befinden.

Ich denke, der Traum hat mir geholfen, über das Geschehene hinwegzukommen – und Frieden mit dem Tod meines Vaters zu schließen.