Es ist halb sieben in der Früh, der Wecker klingelt. Der Tourist schält sich aus dem Bett, schleicht ins Badezimmer, zieht sich die Skisachen an und geht schweren Schrittes durchs Hotel auf den Ausgang zu. Draußen ist es dunkel, und es regnet leicht. Die Skischuhe klacken auf dem kurzen Asphaltweg zur Liftstation. Der Tourist holt sich seine Skier bei einem gähnenden Mitarbeiter der zentralen Aufbewahrung und reiht sich in die Schlange an der Gondelbahn ein. Kaum jemand redet. Bald läuft die Bahn an, die Schlange bewegt sich.

Es geht hoch zur Roundhouse Lodge, einem riesigen Bergrestaurant. Dort wartet ein Frühstücksbuffet mit Cornflakes, Eiern und Pfannkuchen. Langsam wachen die Skifahrer auf, die Gespräche werden lauter, die Aufregung nimmt zu. Neuschnee ist gefallen, viel Neuschnee sogar. Und die Menschen hier oben werden dank ihrer Fresh-Tracks-Tickets die Ersten sein, die heute Spuren in den Schnee ziehen dürfen. Gegen halb neun ruft jemand: "Ladies and gentlemen, get prepared!" Im Wettrennen ums unberührte Vergnügen können viele gewinnen, denn Abfahrten gibt es in fast jede Himmelsrichtung. Es ist hell geworden, es hat aufgehört zu schneien, der Himmel reißt auf, und was so müde und nass begann, verspricht ein glorreicher Skitag zu werden.

Das ist Whistler.

Zwischen den Wolkenfetzen zeigt sich im Tal die kleine Stadt mit der lang gezogenen Fußgängerzone, die ihren Ausgang am Hauptplatz des Ortes nimmt. Dort, wo die riesige Talstation der Gondelbahn steht, wo die Skibars und die Geschäfte liegen. Weiter hinten das Luxushotel Chateau Whistler und die modernen Apartmenthäuser etwas abseits. Durchs Tal zieht sich die Hauptstraße, die ins 115 Kilometer entfernte Vancouver an der kanadischen Westküste führt.

Weiter östlich zeichnet sich die Spitze des Blackcomb ab, des zweiten Skiberges von Whistler. Vom Whistler Mountain aus betrachtet, wirkt er weit entfernt, doch gleich neben der Roundhouse Lodge geht die nagelneue Seilbahn ab, eine der höchsten auf dem Planeten, die beide Skigebiete miteinander verbindet. Auf der nur elf Minuten langen Fahrt rauschen die Kabinen mehr als drei Kilometer ohne einen einzigen Stützpfeiler dahin. Weltrekord.

Das ist Whistler. Kein Wintersportziel in Nordamerika ist beliebter, keines hat mehr Pisten oder größere Höhenunterschiede zu bieten. Was einst als Hippie-Skiort begann, ist heute ein nahezu perfekter Erlebnispark für Yuppies, mit Schuh- und Handschuhheizungen am Berg und Papiertaschentüchern an jedem Lift. Und bis 2010 könnte alles noch größer und luxuriöser werden. Dann nämlich kommen die Olympischen Winterspiele nach Vancouver, und das heißt vor allem nach Whistler, wo sämtliche Ski- und Bobwettbewerbe ausgetragen werden.

Für die Zeit der Spiele wird die schönste Talabfahrt des Whistler Mountain zur abgesperrten Strecke für die Rennläufer. Doch die anderen Skifahrer muss das nicht schrecken. Denn gleich hinter der Roundhouse Lodge schwingt sich das Skigebiet in drei Wellen weiter nach oben mit viel Platz für die Fans großzügig bemessener Carvingstrecken, steiler Pisten und von Tiefschneefahrten. Ganz oben angekommen, vervielfacht sich das Gefühl der Weite noch einmal. Ringsherum sind Hunderte unerschlossener Schneeberge zu sehen.

Was die Whistler-Offiziellen gern verschweigen: Das Wetter ist launisch