Die Frage, wen man retten soll und wen nicht, ist nicht leicht zu beantworten. Zunächst half der Staat den Banken, seitdem wenden sich Unternehmen vieler anderer Branchen an ihn. Erst kam der Chipfabrikant Qimonda, nun folgen die Autozulieferer Schaeffler und Conti, und auch sie werden nicht die Letzten sein, die sagen: Wir können nichts für unsere Probleme, es waren die Umstände. So wächst der Druck auf die Politik, wenigstens die aussichtsreichen Unternehmen zu retten. Aber was heißt das schon? Zumal das Geld ohnehin nicht für alle reichen wird.

Bei Qimonda war der Fall klar. Das Unternehmen wurde lange mit massiven staatlichen Subventionen gepäppelt – und ironischerweise genau dadurch überhaupt erst zum Sanierungsfall.

Schaeffler und Conti waren zwar auch ohne staatliche Finanzhilfe erfolgreich. Dass sie mittlerweile hohe Schulden haben, liegt aber keinesfalls allein an der allgemeinen Wirtschaftskrise, sondern vor allem an dem sehr ambitionierten Übernahmegefecht, das sich für Schaeffler zu einem überaus kostspieligen Abenteuer auswuchs. Manager und Eigentümer haben sich schlicht verschätzt.

Solche Fehler allein rechtfertigen freilich keine staatliche Unterstützung. Auch nicht der Hinweis, die Autobranche samt ihren Zulieferern wäre eine Schlüsselindustrie. Wo waren denn die wirklich bahnbrechenden Innovationen zu besseren Zeiten? Falls die heimischen Autobauer je umweltfreundliche Gedanken gehabt haben, haben sie sie jedenfalls rasch verdrängt. "Freiheit, Tempo, Durchzugskraft" lautete ihr Mantra.

Und welche Industrie spielt schon eine Schlüsselrolle? Dem Wirtschaftsministerium zufolge ist zwar keine so wichtig für den Export wie die der Autobauer. Aber in der Bauwirtschaft und im Maschinenbau arbeiten mehr Menschen. Die deutsche Chemieindustrie ist, gemessen am Umsatz, weltweit die Nummer vier. Die Elektroindustrie ist besonders innovativ, und auch die Ernährungswirtschaft zählt dem Ministerium zufolge "zu den wichtigsten Industriezweigen in Deutschland". Wenn aber alle wichtig sind, dann muss auch allen geholfen werden – oder keinem.

Leiden wird der eigentliche Kern der deutschen Wirtschaft: der Mittelstand. Die zahllosen kleinen und mittleren Unternehmen, die so vielen Menschen Arbeit geben und seit Jahr und Tag zuverlässig und ohne Weltmachtambitionen vor sich hin wirtschaften. Sie sind nun wirklich unverschuldet von der Krise getroffen worden. Ihr großes Pech ist, dass niemand ihre Namen kennt. Weswegen es sich politisch auch nicht lohnen würde, sie zu retten. Selbst wenn es einige verdient hätten.