Mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen und die Gedanken der Menschen lesen zu können, denen ich dort begegne – das wär’s! Fünftausend Jahre zurück, in eine Zeit, in der noch nichts notiert wurde und das Feld der Träume wenig bestellt war. Vielleicht gäbe es da ja etwas zu holen, was uns heute helfen könnte, die Krise zu bewältigen. Andere Ziele zum Beispiel.

Ich würde mich auch auf dem Zeitstrahl meines eigenen Lebens zurückbeamen. Den ersten langen Kuss, das erste Streicheln spüren, die erste Muttermilch noch einmal schmecken – und doch ganz anders, mit meinem Wissen von heute. Vielleicht würde eine solche Zeitreise helfen, alten Mustern zu entkommen.

Gegen ein Muster, das in meinem Beruf schrecklich verbreitet ist, war ich lange resistent, aber jetzt hat es mich doch ereilt: das "Frauen haben Angst vorm Altern"-Muster. Als ich erfuhr, dass ich in Alle Anderen am Anfang überwiegend im Bikini spielen würde, rannte ich wie verrückt ins Fitnesscenter. Die Vorstellung, dass diese Bilder von mir ewig über die Leinwand flimmern werden, ohne dass ich meinem Körper vorher alles abgerungen habe, konnte ich nicht ertragen.

Wenn ich nicht alles gegeben habe, höre ich böse Geister in meinem Kopf. Das ist eine Folge meines angeborenen Perfektionismus. Auch meine Eltern sind extrem harte Arbeiter mit einem ungeheuren Arbeitsethos, ich bin ihre überaktive Tochter. Jeden Tag habe ich nach der Schule noch freiwillig Kurse besucht: Bühnenspiel, Chor, Klavierunterricht, Tanzen, Musical, Sprecherziehung und so weiter.

Meine Unruhe von damals ist heute noch da. Fausts berühmter Wunsch – "Augenblick, verweile doch, du bist so schön" – lässt sich eben nicht erfüllen. Dem Moment muss man sich hingeben, aber ihn auch gleich wieder loslassen können. Wie in der Liebe.

Ich habe das ganze letzte Jahr hindurch wahnsinnig viel gearbeitet und mich darüber definiert. Jetzt dürfte eine Zeit anbrechen, in der ich mich frage, wie ich Gelassenheit und Bestätigung aus anderen Dingen ziehen kann. In den ersten Tagen der Ruhe habe ich "ins Narrenkastl g’schaut", wie der Österreicher sagt: vor mich hin gestarrt, mich in meine Träume geflüchtet.