Leider müssen wir schon wieder anfangen, uns Sorgen um Amerika zu machen. Die Hoffnung, dass die Vereinigten Staaten mit dem Amtsantritt von Barack Obama jetzt tatsächlich wieder "an die Arbeit" gehen, werden durch die Nachricht getrübt, dass Alejandra Campoverdi offizielle Angestellte in der Stabsabteilung des Weißen Hauses geworden ist.

Nach erster Durchsicht von Fotomaterial über die junge Regierungsmitarbeiterin ist davon auszugehen, dass ihre Rolle im Wesentlichen darin bestehen wird, das Weiße Haus von der Arbeit abzuhalten. Zwar hofft die Internetseite "Gawker", dass die Berufung von Campoverdi "eine Debatte über neuen Feminismus" in Gang setzen wird. Doch da müssen wir die Kollegen aus Amerika enttäuschen. Die Abfolge von Büchern und Artikeln zum Thema "Neuer Feminismus" in Deutschland im Jahre 2008 vermittelte auch wohlwollenden Beobachterinnen nicht den Eindruck, als hätte das Reflexionsniveau je eine vernünftige Reiseflughöhe erreicht.

Zum Zweiten rührt uns die Hoffnung, dass in Amerika den Argumenten größere Bedeutung als der Anschauung zugedacht wird. Vor ihrer Zeit als Praktikantin in der Wahlkampfzentrale von Obama trat Alejandra Campoverdi vor allem als Unterwäschemodel in der Zeitschrift Maxim hervor und war in der NBC-Realityshow For Love or Money in ähnlicher Arbeitskleidung zu sehen. Dass sie sich außerdem für die Amtseinführung Obamas von ihrer Designerin dreißig Kleider zur Anprobe schicken ließ, wird leider allenfalls eine Debatte über "neuen Chauvinismus" in Gang setzen.

Ihre schauspielerische Karriere endete übrigens damit, dass sie in dem Film Constantine – offenbar erfolgreich – als Vampir von Keanu Reeves gejagt wurde. Anschließend machte sie einen auch für amerikanische Blogs nicht genau definierbaren Abschluss in Harvard, bevor sie beschloss, Redenschreiberin für Michelle Obama zu werden.

Das gelang ihr nicht, obwohl sie versucht hatte, sich bei der Präsidentengattin dadurch einzuschmeicheln, dass sie den Grünton von deren Handschuhen beim Triumphmarsch aufs Weiße Haus in ihrem Halsschmuck aufleuchten ließ. Doch das Ergebnis wirkte wie ein verschimmeltes Wachtel-Spiegelei.

So musste ein neuer Posten für Alejandra Campoverdi gefunden werden. Als Erstes erklärte sich offenbar Jon Favreau, der 27-jährige Redenschreiber Obamas, bereit, ihr Boyfriend zu werden. Da Favreau selbst den Spruch "Yes we can" erfunden hat, sei ihm verziehen, dass er beim Blick in Campoverdis Augen dachte: Yes, we can auch zusammenarbeiten. Wie sagte noch unser Außenminister selig, der Minu Barati wohlweislich keine Stelle im Auswärtigen Amt anbot, bei einer ähnlich verqueren amerikanischen Lageeinschätzung zu Donald Rumsfeld: "I am not convinced", ich bin nicht überzeugt.