Mit jedem Tag bessert sich die Stimmung von Reinhart Rohr. Der SPÖ-Spitzenkandidat in Kärnten, ein 49-jähriger Parteiapparatschik, der vor einem Jahr als Verlegenheitslösung in die Führungsfunktion gelangt war, ist drauf und dran, das Triumvirat, dem das Vermächtnis des verstorbenen Landesvaters Jörg Haider anvertraut wurde, zu überflügeln. Das Rekordergebnis von 42,5 Prozent, das der leidenschaftliche Wahlkämpfer noch 2004 erzielt hatte, scheint jetzt außer Reichweite zu sein.

Hält der Trend an, so hat der rote Aufsteiger Rohr am Abend des 1. März vermutlich die Kärntner Landtagswahlen gewonnen und nach langer Durststrecke endlich wieder eine Mehrheit für die Sozialdemokraten erobert. Der Bergbauernsohn ist farblos, gibt sich gerne bodenständig und mag es gar nicht, wenn kämpferische Töne angeschlagen werden. Dadurch unterscheidet er sich auffällig von seiner Konkurrenz im BZÖ, der Partei, die Haider vor knapp vier Jahren kreiert hatte.

Uwe Scheuch, der Primus inter Pares der Haider-Erben, ruft hingegen zu einem "Krieg", für den die besten "Schlachtrösser" aufgezäumt werden müssten. Die Haudegen an seiner Seite nennen sich stolz "BZÖ-Musketiere". Ein bisschen viel Gedröhne für die sentimentale Kärntner Seele. Doch in einem Wahlkampf, der im Stil einer Castingshow geführt wird, verhallen die martialischen Appelle.

Hauptverantwortlich dafür, dass die Nachlassverwalter seit der Todesfahrt ihres Idols viel an Terrain verloren haben, dürften allerdings eine strategische Fehlkalkulation und das tollpatschige Auftreten des unmittelbaren Nachfolgers von Haider, Gerhard Dörfler, sein. Der 53-jährige Gurktaler, ehemals Bankkaufmann und Brauereidirektor, lässt keine Gelegenheit zur Blamage aus. Seine Feststellung, in Kärnten sei "die Sonne vom Himmel gefallen", mochte noch als pathetische Schockreaktion nach dem Unfalltod des heiß geliebten Parteiführers belächelt werden. Doch der biedere Politiker reihte in der Folge verwegene Aussagen, geschmacklose Witze und kühne Behauptungen (etwa, dass der einstige Haider-Vasall Mario Canori bestochen worden sei, um die direkte Konkurrenz FPÖ in den Wahlkampf zu führen) aneinander. Selbst im Fasching gewähren die Kärntner nicht so viel Narrenfreiheit.

Die unglücklichen Auftritte führen vielmehr vor Augen, wie groß die Fallhöhe zwischen Original und Epigonen ist. Eine Diskrepanz, die noch deshalb augenfälliger wird, weil die Erben darauf beharren, von einem Toten angeführt zu werden. Ihre Kandidatur nennen sie "Liste Jörg Haider", sie huldigen der Witwe Claudia Haider als "Landesmutter", verklären ihren Parteigründer zu einem Abgott, der unersetzlich sei. Sogar das Wrack der Haider-Limousine haben sie aus Parteivermögen erworben. Selbst der Slogan für den Endspurt, Wir passen auf dein Kärnten auf, klingt nach einem heiligen Eid, den die drei Hinterbliebenen an ihren Spiritus Rector richten, der hoch oben am Winterhimmel schweben muss.

Gemessen an ihrem großen Vorbild, wirkt die Troika – neben Dörfler und Scheuch gehört ihr noch der 28-jährige Finanzlandesrat Harald Dobernig, einer der letzten Haider-Günstlinge, an – blass und unbedeutend: Allen fehlt Haiders Strahlkraft ebenso wie sein unverfrorenes Geschick, mit einer Personalityshow alle politischen Unzulänglichkeiten zu überspielen.

Tatsächlich besteht Haiders Erbe in Kärnten aus einem "Scherbenhaufen" (trend). Bei fast allen wirtschaftlichen Kennziffern hat sich das sonnige Urlaubsland die rote Laterne aufgehalst. In keinem österreichischen Bundesland ist die Pro-Kopf-Verschuldung höher (insgesamt 3800 Euro). Ein Großteil des Landesvermögens wurde versilbert, um die aufwendige Eventkultur, großartige Prestigeprojekte und die generösen Geldgeschenke des Landesvaters zu finanzieren. In der Landeskasse fehlen nun die Reserven. Jetzt liegt die Arbeitslosenquote bei 12,1 Prozent (österreichischer Durchschnitt: 8,3 Prozent), die Bevölkerung schrumpft (bis 2050 rechnen die Statistiker mit einem Minus von 9,5 Prozent), der Braindrain nimmt stetig zu, und auch die Kärntner Kernkompetenz, der Tourismus, stagniert seit acht Jahren auf niedrigem Niveau. Die Bettenauslastung an Seeufern und in Wintersportzentren liegt bei katastrophalen 26 Prozent (österreichweit: 35,4 Prozent). In einer Bewertung von 192 europäischen Wirtschaftsregionen durch das Forschungsinstitut BAK Basel Economics landete Kärnten auf dem 88. Rang, abgeschlagen auch hinter dem Burgenland.