Vor-links-ran, rück-rechts-ran, vor-links-ran, rück-rechts-ran… Hände locker, rufe ich. Nicht so schnell, rufe ich. Schatz, der Fernseher, schreie ich. Aber Schatz lacht nur und reißt mich gerade noch rechtzeitig herum, mein Hintern streift den Bildschirm, vor-links-ran, rück-rechts-ran, unsere Knie stoßen zusammen, unsere Hände krallen sich schon wieder ineinander, mein Fuß landet auf seinem, noch habe ich Socken an, aber irgendwann muss ich anfangen, in hohen Schuhen zu üben.

Wir hatten uns das so schön vorgestellt: Ich im Brautkleid, Schatz nicht minder schick, der Donauwalzer erklingt, und wir drehen, drehen, drehen… dadam-dadam-dadaaaaadam… Wir haben uns vors Internet geklemmt und aus Hunderten Walzer-Samplern den vielversprechendsten ausgewählt: Johann Strauss – Best of Waltzes & Polkas, die Wiener Philharmoniker, immerhin, Karajan und Maazel dirigieren, leider bemerken wir davon nichts, wir müssen uns konzentrieren, vor-links-ran… Wir bewegen uns so elegant wie zwei betrunkene Wasserbüffel, und ich falle nur nicht hin, weil er mich wie eine Ladung Wäsche an sich drückt. Schatz, meinst du nicht, ich kann den Brautwalzer in Turnschuhen absolvieren?

Dabei üben wir seit dem Sommer, mit einer schönen Regelmäßigkeit und steigender Frequenz. Anfangs drehten wir ins Blaue hinein, alles war frei und leicht, wir hatten uns unsere Herzen versprochen, eingerollt stand der Wohnzimmerteppich an der Wand. Aber jetzt steht der Termin, der Ort, die Gästeliste, wir wissen bereits, welche Vorsuppe es gibt. Seit einigen Wochen klingt Schatz auch nicht mehr lieblich, sondern brüllt mir ins Gesicht wie ein sadistischer Ausbilder bei den Marines. Vor-links-rrran, rück-rechts-rrran!

Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob die Schrittfolge überhaupt stimmt. Wir verlassen uns auf meine vage Erinnerung an die Tanzstunden, die ich mit 13 oder 14 besucht habe, schon damals eher unwillig, unkonzentriert, ungeschickt. Liegt meine Hand in seiner? Sieht man sich beim Tanzen in die Augen oder nicht? Ist das nicht unanständig, wenn seine Hand schon wieder auf meinen Hintern rutscht?

Schatz, vielleicht sollten wir einfach einen Hochzeitstanzkurs besuchen! Ist sicher nicht teuer! Wahrscheinlich kann man das an einem Samstagnachmittag lernen!

Ich muss anschreien gegen das Dröhnen der Musik, aber das Lachen von Schatz wird nur noch breiter, er lässt sich nicht irritieren.

Schatz, ich kann nicht mehr, rufe ich, als der Donauwalzer endlich zu Ende ist, aber Schatz läuft schon wieder zum CD-Player und – vor-links-ran, rück-rechts-ran!