Niemand, so heißt es in Artikel 3 des Grundgesetzes, dürfe wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden. Das ist ein frommer Wunsch, den die folgenden Zeilen als unerfüllbar erweisen werden. Sie handeln von den Schicksalsschlägen, die über den Mann in diesen Tagen niedergehen, Schläge, die zu erdulden er bereit, die zu beklagen sein Recht ist. Und so wie der jüngste Lauf der Geschichte den Mann benachteiligt, ohne dass Rechtsmittel dagegen helfen könnten, so muss im Gegenzug diese Glosse den Frauen unzugänglich bleiben, aus emotionalen wie aus intellektuellen Gründen.

Betrachten wir den Mann in seinem Werdegang vom rohen Wölfling zum exemplarischen Vertreter seiner Gattung, so sehen wir ihn als Knaben im wärmenden und zugleich die noch zarten Muskeln massierenden Feinripp von Schiesser, sehen ihn, verständiger geworden, mit den Bahntrassen und Zügen von Märklin eine ganze Welt erobern, und dann, nachdem er dies vollbracht, sich dem Geheimnis des Weibes zuwenden, dessen unerschöpfliche Reize ihm der Playboy offenbart. Auf diese Weise mannhaft geworden, ergreift er die Chance des Kosmopolitischen, legt sich ein Bankkonto in der Schweiz zu und schafft sich mit dessen Zinsen jenes Auto an, das ihm in der Verbindung von Stabilität und Sportivität einzig ebenbürtig ist, nämlich einen Saab.

Und nun? Den Saab wird es in Kürze nicht mehr geben, das schweizerische Bankgeheimnis ist im Begriff zu fallen, der Playboy geht am Stock, Märklin ist perdu, Schiesser am Arsch. Wen jetzt die Trauer nicht übermannt, der ist kein Mann. Und zart steigen Bilder aus Kindheitstagen in ihm empor, die Erinnerung an jene Tante, die ihm diese wunderbar klebrigen und knirschenden Dreiecksriegel mitbrachte, deren scharfkantige Rippen an die Alpen gemahnten und die beim Abbeißen einen lustvollen Schmerz im Gaumen und kurz darauf an den Plomben verursachten: Toblerone!

Ja, Toblerone gibt es noch (wie lange?), und so bleibt dem Mann nichts anderes, als sich mit seinem letzten Schiesser-Feinripphemd in seinen langsam zerfallenden Saab zu setzen, das letzte schon zerlesene Playboy- Heft zu studieren und den süßen Tobleronebrei langsam in sich hineinzuschlürfen. Fiat iustitia et pereat mundus, hieß es einst. Heute aber geschieht Ungerechtigkeit, und die Welt geht dennoch zugrunde. So spricht der Mann, selig lächelnd wie ein satter Säugling. Finis